Funding Funded Projects August Boeckh: Encyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften. Historisch-kritische Edition

August Boeckh: Encyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften. Historisch-kritische Edition

Im Verlauf seiner Tätigkeit als „ordentlicher Professor der Beredsamkeit und klassischen Literatur“ an der gerade gegründeten Berliner Universität entfaltete August Boeckh (1785-1867) eine weit über die Grenzen hinaus strahlende Wirksamkeit, die ihn den Antragstellern zufolge zu einem der bedeutendsten Klassischen Philologen des 19. Jahrhunderts machte.

Zu seinen wegweisenden Leistungen gehörte die Gründung eines philologischen Seminars (1811), welches zu den ersten Einrichtungen dieser Art überhaupt gehörte, und eine Reihe von Schriften und Editionsprojekten, wie die Pindar-Ausgabe (1811 ff) und das ‚Corpus Inscriptionum Graecarum‘ (1815), das sich zum Ziel gesetzt hatte, alle überliefer­ten Inschriften der griechischen Antike zu erfassen und das von der Akademie der Wissenschaften unter dem Namen ‚Inscriptiones Graecae‘ bis heute fortgeführt wird. Vor diesem Hintergrund kann Boeckh als Begrün­der der Epigraphik erachtet werden. Ferner zählen Publikationen zur „Staatshaushaltung der Athener“ (1817), über antike Maßeinheiten (1838) und astrono­mische Fragestellungen (1855/1863) sowie zur ägypti­schen Chronologie (1845) etc. zu seinen vielbeachteten Werken.

Im Kontext seines breit gefächerten wissenschaftlichen Œuvres sind seine posthum veröffentlichten Vorlesungen über „Encyklopädie der philologischen Wissenschaften“ (1877) hervorzuheben, da sie zu den wirkungsmächtigsten philologischen Fachenzyklopädien zu rechnen sind und somit einen Kulminationspunkt im Prozess der Verwissenschaftlichung der klassischen Philologie und der Ausdifferenzierung der einzelnen philologischen Disziplinen darstellten. Die „Encyklopädie“ verfolgt im Wesentlichen fünf Ziele, denn sie zeigt einen propädeutisch-didaktischen und wissenschaftsbegründenden Anspruch, sie zielt ferner auf eine Syste­matisierung des philologischen Wissens und trägt  zur Spezialisierung und zur Absicherung erreichter wissen­schaftlicher Standards bei. Boeckh hat Maßstäbe gesetzt, indem er die Philologie als umfassende Wissenschaft von der griechischen und römischen Antike und zugleich als Metatheorie aller phi­lologisch-historischen Wissenschaften konzipiert hat.

August Boeckhs Vorlesung über die „Encyklopädie der philologischen Wissenschaften“ liegt nach wie vor nur in einer den heutigen wissenschaftlichen Standards nicht mehr genügenden Edition aus dem Jahre 1877 vor. Eine historisch-kritische Neu-Edition stellt daher seit längerer Zeit ein Desiderat der Forschung dar, da die von Ernst Bratuschek erarbeitete Edition die Konturen der Boeckh’schen „Encyklopädie“ ver­schwimmen lässt, da Bratuschek Materialien anderer Vorlesungen einbezogen und die zeitliche Dimension der benutzten Materialien ohne historisch-kritischen An-spruch nivelliert hat. Im Gegensatz dazu wird sich die Neu-Edition bei der Textkonstitution aus­schließlich auf Boeckhs eigenhändiges „Encyklopädie“-Manuskript im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften konzentrieren, um im Ergebnis einen authentischen Text mit knapp gehaltenen Kommentaren bieten zu können. Dadurch kann u. a. gezeigt werden, wo die „Encyklopädie“ ursprünglich enden sollte und welche Materialen aus welcher Zeit bei der ersten Edition hinzugefügt wurden. Die Archivalie umfasst 273 handschriftliche Blätter und gedruckte Seiten (Blatt 274-285) mit handschriftlichen Notizen des Autors. Da nur die Hälfte der Blätter beidseitig beschrie­ben ist, umfasst das Manuskript rund 400 Seiten. Es setzt sich aus Boekhs Heidelberger Niederschrift der Vorlesung und zahlreichen später eingelegten Zetteln, den sogenannten Beilagen, zusammen, die Ernst Bratuscheck allerdings fast alle herausgelöst, numme­riert und extra eingelegt hat.

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