Funding Funded Projects Altägyptische Titel in amtlichen und familiären Kontexten, 2055-1352 v. Chr.

Altägyptische Titel in amtlichen und familiären Kontexten, 2055-1352 v. Chr.

Mit dem Projekt wirft Dr. Ilin-Tomich neues Licht auf den Gebrauch von Titeln und versucht, das Bild der Verwaltung schärfer zu zeichnen, wobei er ein bekanntes, bislang aber weitgehend vernachlässigtes Phänomen bei der Titelverwendung berücksichtigt.

Ausgehend von den idealisierten Darstellungen der alt­ägyptischen Verwaltung – wie z. B. beim Onomastikon des Anenemope – geht die Forschung in der Regel davon aus, dass die Administration ein hierarchisches, nach festen Regeln organisiertes und stabiles System war. Welche gesellschaftliche Stellung den einzelnen Titelträgern innerhalb dieses Gefüges dabei tat­sächlich zukam und welcher soziale Rang ihnen zukam, kann von Idealdarstellungen jedoch nicht uneingeschränkt abgeleitet werden und bleibt über die wörtliche Interpretation hinaus oft unklar. Mit dem Projekt wirft Dr. Ilin-Tomich neues Licht auf den Gebrauch von Titeln und versucht, das Bild der Verwaltung schärfer zu zeichnen, wobei er ein bekanntes, bislang aber weitgehend vernachlässigtes Phänomen bei der Titelverwendung berücksichtigt. So hat die Forschung einerseits gezeigt, dass Titelträger in Texten oder Inschriften oft nur mit einem Titel erwähnt werden, obwohl sie gemäß ihrer unterschiedlichen Aufgaben- und Verantwortungsfelder ggf. verschiedene Titel gleichzeitig trugen; andererseits bleiben auch bei der vollständigen Nennung der Titel Fragen offen, etwa bei der von Dr. Ilin-Tomich untersuchten Inschrift im Wadi-Hammamat (11. Dynastie), die den Titelträger als „Vorsteher der Truppen in der Wüste, Vermögensverwalter in Ägypten und Vorsteher der Harpunierer (?) auf dem Fluss“ bezeichnet. Sowohl hier als auch in vielen anderen Zusammenhängen kann nicht darüber entschieden werden, ob die Person die unterschiedlichen Funktionen nacheinander oder gleich­zeitig ausgefüllt hat.

Mit dem Projekt untersucht Dr. Ilin-Tomich nun, wie Titel in amtlichen und familiären Zusammenhängen verwendet wurden, um ein genaueres Verständnis dar­über zu gewinnen, welche Bedeutung sie über ihren reinen Wortlaut hinaus hatten. Im Gegensatz zu anderen Fallbeispielstudien zu informellen Beziehungen und Gruppen in Ägypten nimmt er eine kor­pusbasierte Untersuchung der Titel vor. Er widmet sich dem Zeitraum ab der Reichseinigung unter Mentuhotep II. bis zur Regierung von Amenophis III. (2055–1352 v. Chr.).

Seit 2007 hat Dr. Ilin-Tomich Personendaten des Mittle­ren Reiches in einer Datenbank gesammelt, die nun in eine öffentlich zugängliche Online-Datenbank umgewandelt wird. Die Datenbank beinhaltet Namen und Titel für über 35.000 Personenbelege in über 10.300 Quellen, darunter Siegel und Siegelabdrücke, Stelen, Felsinschriften, Statuen, Särge und Papyrusurkunden. Neben den 5.200 Personennamen wurden auch 1.900 Titel aufgenommen, die bislang jedoch weder analysiert noch kontextualisiert wurden.

Diese Open Access-Datenbank der Personen und Namen des Mittleren Reiches und der Zweiten Zwi­schenzeit wird nun im Rahmen der Studie durch ein Titel-Register ergänzt. Auf der Grundlage der im Kon­text der jeweiligen familiären, freundschaftlichen und hierarchischen Beziehungen (Vorgesetzte, Untergebene) erfassten und noch zu erfassenden Personen untersucht Dr. Ilin-Tomich für jeden geläufigen Titel, welche Titel die Personen aus dem sozialen Umfeld der Titelträgerin oder des Titelträgers trugen. Auf diesem Weg kann er zeitlich und regional begrenzte Muster im Gebrauch von Titeln herausarbeiten, um die Stellung der Titelträger und die Konzepte, die hinter den einzelnen Titeln stehen, besser verstehen zu können. Dabei werden chronologische und geografische Eigenarten untersucht und die soziale Bedeutung der Titel im Ver­hältnis zu Größe und Material einschlägiger Denkmäler erforscht. So entsteht ein digitales Nachschlagewerk, das den Umgang mit Per­sonennamen, Titeln und prosopographischen Daten der 18. Dynastie vor der Amarnazeit erleichtert und dabei wie ein Lexikon funktioniert.

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