Alpenkupfer im Vinschgau ‒ Struktur des prähistorischen Bergbaus und Siedlungswesens im Ortlergebiet
Die Entdeckung eines spätbronzezeitlichen Kupferschmelzplatzes im Vinschgau bietet aufgrund seiner geographischen Lage zwischen den Montanzentren der Nord- und Südalpen ideale Voraussetzungen für die Erforschung nachrangiger Produktionsstätten.
Die Forschungen zur herausragenden Bedeutung des bronzezeitlichen Kupferbergbaus in den Alpen haben sich bislang auf die großen Produktionszentren konzentriert (Mitterberggebiet, Kitzbühel, Inntal, Trentino). Um den Wissenstransfer in diesem Großraum möglichst vollständig rekonstruieren zu können, weitet Dr. Koch Waldner mit diesem Projekt den Fokus und nimmt auch kleinere Bergbaureviere in den Blick. Mit der Entdeckung eines spätbronzezeitlichen Kupferschmelzplatzes im Vinschgau wurde ein neues Bergbaugebiet in Südtirol nachgewiesen, das nicht zuletzt auch aufgrund der geographischen Lage zwischen den Montanzentren der Nord- und Südalpen ideale Voraussetzungen für die Erforschung nachrangiger Produktionsstätten bietet.
Während die allgemeine prähistorische Bedeutung Südtirols durch zahlreiche Fundstellen gut belegt ist und die zunehmende Siedlungsaktivität während der mittleren bis späten Bronzezeit durch reiche Streufunde nachgewiesen werden konnte, ist das Gebiet aus montanarchäologischer Sicht bis dato weitgehend unerforscht geblieben. Mit der Untersuchung möchte Dr. Koch Waldner die Forschungslücke nun schließen und verbindet hierfür in einem fächerübergreifenden Ansatz landschafts- und siedlungsarchäologische mit montanarchäologischen und archäometallurgischen Fragestellungen. Ziel seiner Studie ist es, die bis dato bekannten montanarchäologischen Spuren im Vinschgau systematisch aufzunehmen und zu analysieren, wobei die bronzezeitlichen Funde und Befunde von besonderem Interesse sind, da sie im Zusammenhang mit der Blütephase des prähistorischen Bergbaus stehen.
Die Funde werden mit Blick auf regionale und überregionale Fragestellungen bearbeitet: Im Kontext der regionalen Fragestellung werden Umfang und Dauer der lokalen Montanwirtschaft bestimmt, Bergbauspuren lokalisiert, alternative Erzvorkommen, die in prähistorischer Zeit hätten genutzt werden können, recherchiert und die Funktion des bronzezeitlichen Bergbaus als Motor für die Besiedlung des Ortlergebiets erläutert. Darüber hinaus wird erforscht, ob die Lage des Schmelzplatzes am Prader Berg – auf der gegenüberliegenden Talseite zur Lagerstätte – auf räumliche Organisationsstrukturen oder vielleicht doch auf andere Gründe zurückzuführen ist. Zudem wird die Funktion der Siedlungsstellen Caschlin und Weiberbödele anhand des Fundmaterials der Lagerstätten untersucht und der Frage nachgegangen, ob die Keramikstreufunde abseits der Höhensiedlung möglicherweise Hinweis auf weitere kleinstrukturierte Siedlungsaktivitäten geben können. Im Kontext der überregionalen Fragestellung wird untersucht, ob Parallelen zwischen den montanarchäologischen Spuren im Vinschgau und anderen Bergbaugebieten aufgezeigt werden können. Ferner soll die Frage beantwortet werden, woher und wodurch das technologische Wissen vermittelt wurde und welche Rolle das Untersuchungsgebiet für den Wissenstransfer in die Ostschweiz und die Südalpen spielte.
Für die Beantwortung der regionalen und überregionalen Fragstellungen werden Provenienzen und Distributionswege der Metalle rekonstruiert. Welche Schmelzprozesse lassen sich anhand der geplanten Schlackeanalysen nachvollziehen? Lässt sich die Nutzung lokaler Erze in bronze- und früheisenzeitlichen Metallobjekten aus dem Vinschgau nachweisen, und ist die geochemische Zusammensetzung dieser Erze u. a. auch in Buntmetallobjekten benachbarter Regionen (Norditalien, Tirol, Schweiz) feststellbar? Welche Regionen lassen sich als Abnehmer des im Vinschgau produzierten Kupfers identifizieren und in welchem Ausmaß kann das produzierte Kupfer in den Kupferbarren und Buntmetallobjekten aus den umliegenden Regionen nachgewiesen werden?