Förderung Geförderte Vorhaben Alfred Herrhausen. Manager und Symbolfigur des Rheinischen Kapitalismus

Alfred Herrhausen. Manager und Symbolfigur des Rheinischen Kapitalismus

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, am Beispiel der Karriere und Tätigkeitsbereiche des Industrie- und Bankmanagers Alfred Herrhausen (1930-1989) die wesentlichen Elemente und das Bedingungsgefüge des „Rheinischen Kapitalismus“ herauszuarbeiten.

Alfred Herrhausen, 1930 in Essen als Sohn eines Ingenieurs geboren, studierte in Köln Betriebswirtschaft. Er promovierte bei Theodor Wessels und Alfred Müller-Armack, zwei promi­nenten Ideengebern des deutschen Modells der „Sozialen Marktwirtschaft“. Seine berufliche Karriere begann er 1952 als Direktionsassistent bei der Ruhrgas AG in Essen, bevor er 1955 zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen AG in Dortmund wechselte; dort übernahm er 1959, im Alter von nur 29 Jahren, die kaufmännische Leitung des Unternehmens und stieg 1967 in den Vorstand auf. Nur zwei Jahre später, im Herbst 1969, erhielt er das Angebot, in den Vorstand der Deutschen Bank AG einzutreten. Im volkswirtschaftlich schwieriger werdenden Umfeld der 1970er Jahre zählten das internationale Geschäft mit Südostasien, Außenhandelsfinanzierungen und vor allem Unternehmens­sanierungen zu seinen Aufgaben. Als Vorstandssprecher arbeitete Herrhausen in den 1980er Jahren an einer grund­legenden Neuausrichtung der Deutschen Bank in einer sich globalisierenden Welt. Gleichzeitig trat er allerdings immer wieder für eine Rückbesinnung auf die Ideale der „Sozialen Marktwirtschaft“ ein und bekannte sich zur gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens. Am 30. November 1989 wurde er durch ein Bombenattentat ermordet.
Das Augenmerk des Forschungsprojektes richtet sich insbe­sondere auf die in den Tätigkeitsfeldern Herrhausens zum Ausdruck kommenden inneren Spannungen und wachsen­den transnationalen Verflechtungen, die den Be­stand dieses Modells „koordinierter Marktwirtschaft“ seit den 1970er Jahren zunehmend in Frage stellten. Geklärt werden soll zudem, inwiefern Herrhausen als Phänotyp des „rheinischen Kapitalisten“ zu begreifen ist und aus welchen Gründen er sich zu einer Symbolfigur des „Rheinischen Kapitalismus“ entwickelte, die von dessen Befürwortern ebenso wie von dessen Kritikern in Anspruch genommen werden kann.

Strukturiert wird die monographische Studie zu Alfred Herrhausen durch vier zentrale Untersuchungsdimensionen: die Arbeitsbeziehungen, das Geld- und Finanzsystem einschließlich des Kreditwesens, die Wirtschaftsordnungspolitik und den reflexiven Diskurs über normative Leitbilder der Wirtschafts- und Sozialethik.

Das Forschungsprojekt hat zugleich Anschubfunktion für das Editions- und Forschungsvorhaben „Rheinischer Kapitalismus: Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in der Bonner Republik“ der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Nähere Informationen finden Sie hier:

http://www.badw.de/aktuell/akademie_aktuell/2011/heft3/10_sattler.pdf

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