AffluentYouth: Jugendliche in wohlhabenden Sozialräumen
Während marginalisierte und gentrifizierende Sozialräume häufig Gegenstand der Untersuchung in der internationalen Stadtforschung sind, haben wohlhabende Sozialräume weit weniger wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren.
Eine Auseinandersetzung mit den sozialen Dynamiken und Konflikten in wohlhabenden Sozialräumen, also Sozialräumen mit hohem ökonomischem, sozialem, kulturellem und symbolischem Kapital, und deren Einfluss auf die Lebenswelten privilegierter Jugendlicher kann jedoch helfen, neue Perspektiven auf die Mechanismen der sozialen Reproduktion und kontextspezifischer Exklusionsprozesse zu gewinnen.
Hier setzt Dr. Born mit seinem Projekt an und vereint dazu Stadt-, Elite- und Jugendsoziologie. Er adressiert diese Forschungslücke mit zwei konkreten empirischen Zielen. Erstens analysiert er detailliert die sozialen Erfahrungen und die Identitätsbildung von Jugendlichen in wohlhabenden Sozialräumen und fragt, wie Jugendliche in wohlhabenden Sozialräumen ihr privilegiertes soziales Umfeld erfahren und welche Konsequenzen sich daraus für ihre Lebensrealitäten ergeben. Zweitens untersucht er Ambivalenzen, die mit den gelebten Erfahrungen dieser Jugendlichen verbunden sind. Da, insbesondere im deutschen Kontext, wohlhabende Sozialräume keineswegs homogen sind, sondern eine gewisse Vielfalt und sozialstrukturelle Unterschiede (Klasse, Ethnizität, Geschlecht) aufweisen (z. B. mit öffentlich geförderten Sozialwohnungen oder Flüchtlingsunterkünften), untersucht er das Phänomen der relativen Deprivation. Damit ist gemeint, dass Jugendliche trotz objektiv hoher Ressourcenausstattung im Wohnumfeld Exklusionsprozesse erfahren können, insbesondere im Vergleich zu sozialstrukturell (noch) besser gestellten Peers.
Methodisch ist das Projekt in der qualitativen Sozialforschung verortet. Es werden leitfadengestützte narrative Interviews mit Jugendlichen ab 16 Jahren geführt, die außerschulisch rekrutiert werden, um administrative Hürden zu umgehen und Verzerrungen zu vermeiden. Die Rekrutierung wird in lokalen Freizeit- und Jugendzentren, Sportvereinen und öffentlichen Treffpunkten im Untersuchungsort durchgeführt.
Als Untersuchungsort wurde Königstein im Taunus ausgewählt. Dieser Ort zählt zu den reichsten Kommunen mit einer der wohlhabendsten Sozialstrukturen Deutschlands, ist aber gleichzeitig Wohnort von Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Daher eignet sich Königstein besonders zur Untersuchung relativer Deprivation.