Ägyptische Lehnwörter in altorientalischen Sprachen und dem Griechischen
Die Kulturkontakte zwischen den antiken Völkern des Vorderen Orients und Nordafrikas haben Spuren in der jeweiligen Sprachüberlieferung hinterlassen: Wörter der einen Sprache haben im Zuge eines ein- oder wechselseitigen Kulturtransfers durch Händler oder Reisende Eingang in die jeweils andere Sprache gefunden.
Im Feld der Lehnwortforschung sind in den Fachrichtungen Ägyptologie, Theologie und Semitistik in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Vorschläge unterbreitet worden, in welche Sprachen des östlichen Mittelmeerraums der Antike ägyptische Wörter eingedrungen sind und in welchen Texten dies greifbar ist. Bei der Durchsicht des Materials zeigt sich allerdings, dass eine große Anzahl dieser Vorschläge aufgrund linguistischer oder sozialanthropologischer Kriterien nicht haltbar ist. Dies wiegt umso schwerer, als die behaupteten Übernahmen und Postulate – ohne vorherige kritische Prüfung – ihren Weg in die weiterführende Forschung gefunden und oftmals als Grundlage für anknüpfende Theorien gedient haben.
Ziel des Projekts ist es daher, alle bekannten ägyptischen Lehnwörter in antiken Sprachen des östlichen Mittelmeerraums erstmals systematisch in einer Datenbank zu erfassen, im Kontext aller heute bekannten Quellen darzustellen und einer linguistischen wie kulturanthropologischen Analyse zu unterziehen. Dr. Theis geht approximativ von rund 325 Wörtern aus: 50 Lehnwörtern im Akkadischen, 50 im Griechischen, 200 im Hebräischen und Aramäischen, 25 im Hethitischen und 5 im Karischen. Die Hauptaufgabe des geplanten Projekts besteht darin, sowohl die genannten Lehnwörter als auch die überlieferten ägyptischen Namen auf eine korrekt identifizierte, der ägyptischen Sprache auch entsprechende Ethymologie hin zu überprüfen. Dabei möchte Dr. Theis eine neue und solide Basis in Form eines benutzerfreundlichen Handbuchs für weitere Forschungen schaffen, falsche Postulate als solche kennzeichnen, alle Wörter in ihrer chronologischen Entwicklung darstellen und ein dem neuesten Stand der Forschung entsprechendes Referenzwerk für die Wissenschaften vorlegen.
Aufbauend auf der Zusammenstellung des chronologisch dargestellten und kritisch bewerteten Materials untersucht Dr. Theis darüber hinaus die Quellen mit Blick auf interkulturelle Kontexte und „transcultural flows“. In diesem Zusammenhang fragt er, was der Grund für die jeweiligen Übernahmen gewesen sein könnte, in welchem Kontext die Wörter übernommen wurden und auf welche „cultural flows“ die Austauschprozesse schließen lassen. Welche sozialen oder religiösen Ansichten lassen sich hieraus ableiten? Welche Bedeutungsverschiebungen lassen sich erkennen? Für manche der Lehnwörter soll eine „Logosbiographie“ erarbeitet werden, in der ein Wort untersucht und die Bedeutung sowie der Grund für die Übernahme in den Fokus gestellt werden kann.