Die Architektur der Unteren Agora von Pergamon
Die „Untere Agora“ gehört zu den größten Bauten des antiken Pergamon.
Das Areal erhielt seinen Namen in Abgrenzung zu einer zweiten, oberhalb am Stadtberg von Pergamon gelegenen Platzanlage, der „Oberen Agora“. Bereits kurz nach Freilegung der „Unteren Agora“ durch den Archäologen und Bauforscher Wilhelm Dörpfeld in den Jahren 1900 bis 1902 wurden erste Untersuchungen zu Entwicklung und Funktion der Platzanlage vorgelegt. Allerdings wurde versäumt, eine detaillierte Bauaufnahme durchzuführen, auf deren Grundlage die Anlage hätte vollständig rekonstruiert werden können.
Die Stiftung hat daher in den Jahren 2013 bis 2017 das Projekt „Neuuntersuchung der ‚Unteren Agora‘ von Pergamon“ gefördert. In diesem Feldforschungsprojekt wurde die Anlage rekonstruiert und datiert: Die bauhistorischen Untersuchungen wurden 2015 abgeschlossen. Die Auswertung der bauhistorischen Untersuchungen im Anschluss an die Materialaufnahme kam allerdings zum Erliegen, weil die damalige Projektmitarbeiterin Frau Prof. Arzu Öztürk im Frühjahr 2016 vollkommen unerwartet verstarb.
Um das Projekt in Form einer Monographie zur „Unteren Agora“ zum Abschluss zu bringen, werden im Rahmen dieser Studie nun die von Prof. Öztürk zusammengetragenen Baubefunde bearbeitet und die Ergebnisse im Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus dem bereits abgeschlossenen archäologischen Teilbereich zum Druck vorbereitet. Im Zuge der bereits publizierten Vorberichte wurde das große Potential der erhobenen Daten deutlich. Neben der Größe des Bauwerks und der Komplexität seiner Baugeschichte wird in der Monographie vor allem die enge wechselseitige Verflechtung der Teilergebnisse aus beiden Projektbereichen Berücksichtigung finden.
Die Arbeitsschritte umfassen die Überprüfung und ggf. Ergänzung der vorhandenen Planmaterialien und Zeichnungen, die Erstellung von Phasenplänen, Rekonstruktionszeichnungen sowie eines 3D-Modells. Sodann werden die einzelnen Beschreibungen von Baubefunden und Bauteilen aus der Grabungsdatenbank des DAI in eine synthetische Manuskriptfassung (Baubeschreibung und Katalog der erhaltenen Bauglieder) überführt und die Grabungstagebücher und Fotoaufnahmen der Altgrabung von Dörpfeld systematisch ausgewertet. Darauf aufbauend werden Fragen der Wiederherstellung und der Phasenabfolge schriftlich fixiert und die Funktion des Baus auf der Grundlage von bautypologischen Kriterien, seiner architekturhistorischen Einordnung sowie seiner Bedeutung im urbanistischen Kontext erörtert.