Resafa ‒ Sergiupolis/Rusafat Hisham. Pilgerstadt und Kalifenresidenz
Resafa wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. als bewehrter Posten an der Verbindungsstraße zwischen Mittelsyrien und dem oströmischen Limes gegründet und liegt in der nordsyrischen Wüstensteppe, rund 25 km südlich des Euphrat.
Das Grab des christlichen Märtyrers Sergius war ausschlaggebend dafür, dass sich die byzantinische Stadt Resafa-Sergiupolis im Laufe des 5. und 6. Jahrhunderts n. Chr. zu einer befestigten Wallfahrtsstätte entwickelte. Im 8. Jahrhundert n. Chr. residierte der Umaiyade Hisham b. Abd al-Malik im Süden der mittlerweile in Rusafat Hisham umbenannten Stadt und ließ verschiedene Gebäude errichten, darunter Palastanlagen und die Große Moschee in der Nähe des Pilgerzentrums auf der Nordseite des Basilika A-Komplexes. Die Besiedlung des Ortes und seines Umlands endete in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts in Folge des Syrien-Feldzugs der Mongolen und seiner Abwehr durch die Mamluken. Zwar ist Resafa eine bedeutende Karawanenstation am Kreuzpunkt wichtiger Handelsstraßen geblieben, konnte an den Glanz früherer Tage jedoch nicht mehr anschließen.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Ruinen der zum Teil noch bis zur Traufe aufragenden Sakralbauten kunsthistorisch beschrieben und durch Bauaufnahmen erfasst. Von 2006 bis 2012 leitete Prof. Sack das Projekt „Resafa – Sergiupolis/Rusafat Hisham. Pilgerstadt und Kalifenresidenz“, das inzwischen in Kooperation mit der Direction Générale des Antiquités et des Musées de Syrie weitergeführt wird. Unter ihrer Leitung wurden die bereits vorliegenden Forschungsergebnisse zu den Großbauten zusammengeführt und durch gezielte Untersuchungen ergänzt. Nunmehr kann die Entwicklung Resafas bis zum Beginn des ‚Syrischen Bürgerkrieges‘ rekonstruiert werden.
Trotz der langen Laufzeit des Projekts konnten noch nicht alle Arbeiten zu Ende geführt werden. Im Rahmen der Studie sollen daher der „Schlussstein“ für die zwischen 2006 und 2012 erfolgten Untersuchungen gesetzt und die drei noch ausstehenden Bände Resafa 8, 10,1 und 10,2 fertiggestellt werden.
Die im Rahmen der Studie zu erbringenden Arbeiten umfassen in Bezug auf Resafa-Band 8 (Die Stadt und ihr Umland) die Fertigstellung von Beiträgen u. a. zu Forschungsgeschichte, geodätischen Messtechniken sowie zur bauforscherischen Analyse der Basilika B und der Wohnhäuser. Darüber hinaus werden die Kapitel zum Zentralbau sowie zu Dorf und Familie eingepflegt und die Erläuterungen zum Gesamtprojekt fertiggestellt. Mit Blick auf den Resafa-Band 10,1 (Die Residenz des Kalifen) werden der Survey III abschließend ausgewertet und die Erkenntnisse aus den Prospektionen mit den archäologischen Befunden verknüpft. Darüber hinaus werden für den Resafa-Band 10,2 (Paläste und Gärten) noch ergänzende Arbeiten und Analysen vorgenommen, etwa im Hinblick auf die 2010 durchgeführten Nachgrabungen im nördlichen Qasr und in Bezug auf kleinere Grabungen und Schürfungen an insgesamt zehn Fundplätzen.