Kollektive Vergegenwärtigung – Der Workshop als künstlerisch-politisches Format
Im Rahmen des Forschungsprojekts wird das Format des Workshops als Schnittpunkt von Kunst und Politik untersucht.
Seit den 1960er-Jahren etablierte sich eine Workshop-Kultur, die von den USA aus rasch global expandierte. Die prominentesten Bewegungen und Orte einer disziplinübergreifenden Neubestimmung der Kunst in den 1960er- und 70er-Jahren im Zeichen des Performativen griffen auf das Workshop-Format zurück. Heute stellt der Workshop weltweit die dominierende Organisationsform von bewussten körperbasierten Erfahrungen und eines der wichtigsten Ausbildungs- und Arbeitsformate in Theater, Tanz, Performance und den performativ interessierten »visual arts« dar.
Dr. van Eikels untersucht diese Organisationsform sowohl in der historischen Genese ihres Erfolgs als auch in ihrer systematischen Relevanz für die aktuell in den Künsten verbreiteten Vorstellungen von Kollektivität. Er arbeitet heraus, wie durch die Techniken der Vergegenwärtigung in Workshops spezifische Dispositionen geschaffen werden, die sich sowohl auf die zeitgenössische Ästhetik als auch auf das soziale und politische Profil der Kunst auswirken. Eine Genealogie des Workshop-Formats soll zeigen, welche Faktoren dazu führen, dass kurzfristige, intensive, wesentlich durch Techniken körperlich-praktischer Vergegenwärtigung erzeugte Kollektiverfahrungen gleichermaßen künstlerische wie politisch-soziale Ziele zu verwirklichen versprechen. In den Blick genommen werden dabei Entwicklungen ausgehend von den 1960er-Jahren (Judson Dance Theater/Grand Union, Andy Warhols »Factory«) bis ins 21. Jahrhundert (im Kontext des Performing Art Forums sowie in den Arbeiten von Koki Tanaka und Xavier le Roy).
An der Ruhr-Universität Bochum werden anhand einer Reihe von selbstreflexiven Workshops deren spezifische Operationsweise erprobend erkundet.