Funding Funded Projects Polnische Bürgermeister und die Verwaltung des Generalgouvernements. Judenmord, Kooperation und Widerstand

Polnische Bürgermeister und die Verwaltung des Generalgouvernements. Judenmord, Kooperation und Widerstand

Im Rahmen des Projekts wird das Verhalten polnischer Bürgermeister, die während des Zweiten Weltkriegs im von Deutschland okkupierten Generalgouvernement amtierten, untersucht.

Das Generalgouvernement wurde im Oktober 1939 auf einem Teil des besetzten polnischen Staates errichtet. Es bestand aus den Distrikten Warschau, Krakau, Radom und Lublin, zu denen im August 1941 noch der Distrikt Galizien hinzukam. Das Generalgouvernement verfügte über eine eigene Regierung und Verwaltung, an deren Spitze der von Hitler nominierte und ihm direkt untergeordnete Jurist Hans Frank stand. Anders als in den polnischen Gebieten, die – wie der Warthegau oder der Reichsgau Danzig-Westpreußen – in das Deutsche Reich eingegliedert wurden, versuchten die deutschen Machthaber im Generalgouvernement nicht, möglichst alle polnischen Beamten und Angestellten durch „reichs-«“ oder „volksdeutsches“ Personal zu ersetzen. Vielmehr integrierten sie einen Großteil der polnischen Vorkriegsbeamtenschaft in die neuen Besatzungsstrukturen.

Polnische Bürgermeister waren eine der wichtigsten Beamtengruppen des Verwaltungsapparates des Generalgouvernements, ohne deren Mitarbeit die Machthaber ihre Politik in den Städten und Gemeinden nicht effektiv und effizient hätten umsetzen können. Sie wurden sowohl in kleinen Städten wie Grójec, mittelgroßen wie Tschenstochau als auch in Großstädten wie Warschau eingesetzt. Bürgermeister wirkten zwischen unteren (Dorf- und Gemeindevorsteher, Polizei, Kontingentkommissionen) und oberen Verwaltungsebenen (Regierung des Generalgouvernements und Distriktgouverneure, SS, SD, Wehrmacht, Post, Ostbahn). Das Spektrum ihrer Aufgaben war breit.

Das Handeln der Bürgermeister war durch die Politik der Besatzer, die Aktionen des Widerstandes und die Erwartungen der örtlichen Bevölkerung geprägt. Obwohl relativ viele Bürgermeister ihre Aufgaben vorbildlich und gewissenhaft erledigten, standen sie den deutschen Besatzern grundsätzlich kritisch gegenüber. Ihr Handeln war durch verschiedene Faktoren bedingt, bei denen die Repressionen der Widerstandsorganisationen und das Wohlergehen der polnischen (und viel seltener auch der jüdischen) Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten. Aufgrund ihrer Aufgaben waren sie in die Durchführung von Maßnahmen, die sowohl gegen Polen als auch gegen Juden und andere ethnische Gruppen wie die Roma gerichtet waren, involviert, und sie widersetzten sich ihnen nur in wenigen Ausnahmefällen. Am Beispiel von zwölf gezielt gewählten Bürgermeistern soll gezeigt werden, wie sie mit den Besatzern zusammenarbeiteten, wie sie sich im Holocaust verhielten, wie sie ihre Gemeinden verwalteten und wie ihr Verhältnis zu der Widerstandsbewegung war.

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