Funding Funded Projects Strategische Migrationspolitik: Gesellschaftliche Koalitionsbildung, Interdependenzkonstellationen und bilaterale Regulierung von Migration

Strategische Migrationspolitik: Gesellschaftliche Koalitionsbildung, Interdependenzkonstellationen und bilaterale Regulierung von Migration

In den vergangenen Jahren wurde eine wachsende Anzahl bilateraler Migrationsabkommen abgeschlossen, um bestimmte Formen der Migration zu fördern und andere zu verhindern. Es scheint, als würden Staaten bilaterale Abkommen gegenüber multilateralen oder gar globalen Vereinbarungen präferieren. Das Phänomen der bilateralen Migrationsabkommen ist jedoch noch größtenteils unerforscht. Im Sinne einer strategischen Migrationspolitik umfassen die neueren Abkommen über die reine Arbeitsmigration hinaus auch Themen der Sicherheits-, Entwicklungs- und Außenpolitik.

Zentrale Annahme des Projekts ist, dass Migration die gesellschaftliche Verteilung von kulturellen, ökonomischen und sicherheitsrelevanten Werten in und zwischen Gesellschaften verändert. Migration betrifft dabei drei zentrale staatliche Funktionen: Rechtsstaat­lichkeit, Partizipation und Verteilung. Die bisherige For­schung hat gezeigt, dass je nach Zu­gang zu bzw. Ausschluss von diesen Funktionen für Ein­wanderer Migration eher als Chance oder als Ge­fahr wahrgenommen wird. Zu den drei staatlichen Funktionen werden im Rahmen des Projekts Ideal­typen zu Staaten je nach In- bzw. Exklusion von Mi­granten gebildet.

Dabei wird davon ausgegangen, dass die drei zentralen staatlichen Funktionen politisch äußert sensible Themen sind. Mit ihnen will Prof. Harnisch gesellschaftliche Koalitionen zu Veränderungen sowie gesellschaftliche Präferenzen für bilaterale Migrationsabkommen erklären. Bilaterale Abkommen haben gegenüber multilateralen Vereinbarungen den Vorteil, dass Kooperationspartner, Migrantentypus und zu ver­knüpfende Themen durch einen Staat ausgewählt wer­den können, um die Forde­rungen gesellschaftlicher Koa­litionen zu erfüllen.

Im Kern wird untersucht, welche Formen von in­ternationalen Übereinkünften Staaten nutzen, um Migra­tion zu regulieren. Inwieweit erklären gesellschaft­liche Koalitionsbildungsprozesse und Interdependenz­konstel­lationen die unterschiedliche Anzahl, Art und In­halte bilateraler Migrationsabkommen?

Aufgrund des Vorstoßes zu einem neuen Untersuchungs­gegenstand stützt sich die Studie auf explora­tive quantitative sowie qualitative Methoden. In einem ersten Schritt wird eine Datenbank erstellt, die alle bila­teralen themenübergreifenden Migrationsabkommen seit 1990 erfasst und deren Kernmerkmale kodiert. Somit können zu drei Zielregionen, nämlich Nordamerika, Eu­ropa und Australien, Typen von Abkommen abgeleitet werden. Auf Grundlage dieser Daten wird die Korrelation von Ab­kommenstypen mit den migrationspolitischen Idealtypen von Staaten ermittelt.

Die umfassende Datenbank erlaubt zudem die empirisch fundierte Auswahl von vier Fallstudien für eine tiefer­greifende qualitative Untersuchung. Zu den vier Fällen wird ein strukturierter Vergleich durchgeführt. Dazu werden Interviews mit Beamten des Innen-, Justiz-, Migrations- und Außenministeriums und weiteren Ex­perten geführt. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleis­ten, werden die Interviews durch drei Fragensets zu Koalitionsbildung innerhalb des Landes, Interdependenz­konstellationen zwischen Ziel- und Herkunftsland sowie Verhandlungspositionen und -ergebnis in bilateralen Abkommen geleitet.

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