Funding Funded Projects The eastern limits of empire: Mapping Sasanian sites in south-west Turkmenistan. Dehistan Archaeological Survey (DAS)

The eastern limits of empire: Mapping Sasanian sites in south-west Turkmenistan. Dehistan Archaeological Survey (DAS)

Das Sassanidenreich existierte zwischen dem Ende des Partherreichs und der arabischen Eroberung (224/226–651 n. Chr.) und erstreckte sich über die Gebiete der heutigen Staaten Iran, Irak, Aserbaidschan, Turkmenistan, Pakistan und Afghanistan. Es vereinte viele regionale Identitäten, war das wohl größte und mächtigste vorislamische Reich Eurasiens und neben Rom die zweite Großmacht in der Spät¬antike.

Im Rahmen der Studie untersucht Dr. Kurbanov die nördliche Grenzregion des Reichs im heutigen Turkmenistan. Das am Kaspischen Meer unweit von Balkanabat gelegene Gebiet entspricht der antiken Region Dehistan, die wiederum Teil von Choresan war, einer der vier Hauptregionen des Reichs, die durch einen Statthalter von Merw aus regiert wurde. Die Verwaltungseinheit war aus der Zweiteilung Hyrka­niens hervorgegangen und gehörte wegen der nomadi­schen Überfälle aus dem Norden stets zu den stark umkämpften Gebieten des Reichs.

Obwohl die Region in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in den Fokus archäologischer Untersu­chungen rückte, ist eine flächendeckende Recherche nach neuen Fundorten bislang noch nicht in Frage gekommen. Mit dem „Dehistan Archaeological Survey“ (DAS) holt Dr. Kurbanov die Recherche nun nach und lokalisiert, kartiert und datiert auf der Grundlage von Satellitenbildern etwaige Fundstätten, Wegesysteme und Straßen und analysiert Oberflächenfunde im funktionellen Kontext der jeweiligen Standorte und vor dem Hintergrund der historischen Transformationsprozesse. Im Kern geht es darum, das historische Wissen über die Grenzregion mit den archäologischen Fakten vor Ort abzugleichen und etwaige Forschungslücken zu schließen. Ausgehend von den Erfahrungen eines Vorgängerprojekts, bei dem ar­chäologische Fundplätze in Abiward und Merw (Cho­resan) untersucht worden sind, betrachtet Dr. Kurbanov die dokumentierten und undokumentierten Fundstätten im Zusammenhang, zeichnet die sich ändernden Siedlungsmuster nach und hinterfragt die Umstände der dauerhaften territorialen Kontrolle durch das sassanidi­sche Militär.

Im ersten Schritt werden unterschiedliche Satellitenbilder (Google Earth, Corona) sowie Luftbilder und großforma­tige Militärkarten aus der Sowjetzeit verglichen und aus­gewertet, um weitere archäologische Fundstät­ten, die typischerweise durch Hügel oder Festungsruinen zu erkennen sind, ausmachen zu können. Im Zuge der Voruntersuchungen konnten bereits rund 160 Fundstät­ten lokalisiert werden. Durch den Vergleich der moder­nen Satellitenbilder mit den Luftbildern der 1960er-Jahre lässt sich zudem der landschaftliche Wandel und das Ausmaß der Zerstörung archäologischer Fundstätten in den letzten Jahrzehnten einschätzen. Im Anschluss daran werden die aus sowjetischer Zeit stammenden unveröffentlichten Berichte und Archivinformationen studiert und ausgewertet, um dann die Ergeb­nisse mit den durchzuführenden Oberflächensurveys ab­zugleichen.

Im Ergebnis möchte Dr. Kurbanov eine Funddaten­bank mit exakten Koordinaten erarbeiten, jede Fund­stätte detailliert beschreiben und über den anzufertigen­den Kermikkatalog chronologisch einordnen. Dabei soll geklärt werden, ob es beim Übergang von der parthi­schen zur sassanidischen Periode angesichts der ständi­gen Bedrohung aus dem Norden eine Siedlungsver­schiebung in den sichereren Süden gegeben hat. Falls eine solche Verschiebung nachgewiesen werden kann, muss geklärt werden, welche Standorte wann verlassen und welche Gebiete neu bezogen wurden. Welche Aus­wirkungen hatte diese Entwicklung auf die Lebensum­stände? Lassen sich kleinere Nomadenlager ausmachen, und gibt es archäologische Beweise für die Aufgabe von Bewässerungssystemen etc.?

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