Monetary Policy Communication, Cognitive Abilities, and Expectations
Zur Erreichung ihrer geldpolitischen Ziele – primär von Preisstabilität – versuchen Zentralbanken die Erwartungen von Markteilnehmern über künftige Inflationsraten zu steuern. In traditioneller Sichtweise hofft die Zentralbank letztendlich, dadurch den Konsum der Haushalte anregen oder dämpfen zu können. Diese Interpretation wird in jüngster Zeit aber vermehrt in Frage gestellt.
Empirische Ergebnisse legen nahe, dass der Konsum der Haushalte kaum auf geänderte Inflationserwartungen reagiert. Eine Erklärung für diesen Befund könnte in den unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten der Bevölkerung liegen, die Zentralbanken nicht berücksichtigen. Darüber hinaus richten sich die Mitteilungen von Zentralbanken typischerweise an Experten aus Finanzindustrie und -medien, so dass sie nur wenige Haushalte erreichen. Im Rahmen des Vorhabens wird daher untersucht, wie Zentralbanken im Allgemeinen und die Europäische Zentralbank im Besonderen ihre Kommunikation mit den Markteilnehmern gestalten muss, um ihre geldpolitischen Ziele zu erreichen.
Diese Fragestellung wird mit einem experimentellen Ansatz bearbeitet. Es steht hierfür ein Pool von etwa 5.000 männlichen Finnen zur Verfügung, für die das finnische Verteidigungsministerium von 1982 bis 2001 über einen IQ-Test detaillierte Daten zu ihren kognitiven Fähigkeiten erhoben hat. Diese Daten können mit administrativen Daten verschiedener finnischer Behörden und Ämter verknüpft werden, etwa Daten zu formaler Bildung, sozio-ökonomischer Stellung, Einkommen, Vermögen und Schulden. Darüber hinaus ist die Hauptquelle von Individualdaten im Rahmen der Studie ein speziell entwickelter Fragebogen, der über einen Dienstleister in vier Wellen an die Teilnehmer verteilt wird. Der Fragebogen enthält 30-40 Fragen, die in erster Linie Einschätzungen und Erwartungen zur Entwicklung der Inflation ermitteln. Ziel ist, die Erwartungen zur Preisentwicklung sowie weiterer makroökonomischer Aggregate nach dem Vorbild der Umfrage zu Konsumentenerwartungen der New York Fed zu generieren.
Experimentelle Variation wird erreicht, indem unterschiedliche, zufallsgenerierte Gruppen von Teilnehmern abweichende Informationen erhalten, die ihre Erwartungen beeinflussen sollten. Auf dieser Basis lassen sich verschiedene Fragen untersuchen: Wie passen Individuen ihre Inflationserwartungen aufgrund verschiedener Ausprägungen von geldpolitischen Mitteilungen an? Wie passen Individuen ihre Konsum-, Ersparnis-und Investitionspläne an, wenn sich ihre Inflationserwartungen ändern? Welchen Einfluss haben Urheber (Zentralbank, Presse usw.) und Medium (statistische Kennzahl, Pressemitteilung, Zeitungsartikel, Twitter usw.) der geldpolitischen Kommunikation? Hat Politikkommunikation unterschiedlichen Einfluss auf Individuen, die zu unterschiedlichen Teilen der IQ-Verteilung gehören?
Diese Fragen werden anhand der verschiedenen Effektgruppen sowie einer Kontrollgruppe zu beantworten versucht. Die Wellen zwei bis vier des Fragebogens erlauben darüber hinaus, eine zeitliche Komponente einzubeziehen und zu untersuchen, ob Änderungen etwa des makroökonomischen Rahmens die Inflationserwartungen im Zeitverlauf beeinflussen.