Funding Funded Projects Russisch-Deutsches Theologisches Wörterbuch

Russisch-Deutsches Theologisches Wörterbuch

Ziel des Forschungsvorhabens ist der Abschluss eines Russisch-Deutschen Theologischen Wörterbuches.

Der im Russisch-Deutschen Theologischen Wörterbuch präsentierte Fachwortschatz umfasst Begriffe des christ­lichen Sprachgebrauches, die fachspezifisch gekenn­zeichnet sind, und zwar nach ihrer Zugehörigkeit zu Teildisziplinen der christlichen Theologie (Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie, Praktische Theologie, Kirchenrecht etc.), zu Bereichen des kirchlichen und des klösterlichen Lebens sowie zu weiteren in enger Verbindung stehenden Wis­sensgebieten (Geschichte, Philosophie, Literaturwissen­schaften, Architektur etc.).

Das Russisch-Deutsche Theologische Wörterbuch stellt in einem umfangreicheren Maße sowie in genauerer Zuordnung, als es in bisher erschienenen Wörterbüchern geschehen ist, deutsche Entsprechungen für russische theologische Termini zur Verfügung. Da die Lemmata konfessionell unterschiedlich bestimmt sind, reicht es in vielen Fällen nicht aus, jeweils nur die äqui­valenten deutschen Termini anzugeben. Es bedarf viel­mehr einer konfessionsspezifischen Bedeutungsdefinition und in zahlreichen Fällen auch weiterer Erläuterungen zum Verwendungszweck, um etwaige Differenzen im Begriffsumfang deutlich zu machen. Daraus ergibt sich die Kombination eines herkömmlichen zweisprachigen Wörterbuches und einer Art Enzyklopädie. Somit reiht sich das Russisch-Deutsche Theologische Wörterbuch in eine Gruppe von Nachschlagewerken ein, die bewusst Elemente aus Sprach- und Sachlexikographie miteinan­der kombinieren.

Hinter der Kombination dieser beiden Anliegen steht die Erkenntnis, dass in die russische theologische Lexik früh und in großem Umfang theologische Termini römisch-katholischer und protestantischer Provenienz eingewan­dert sind und dort ihre Eigendynamik entfaltet haben. So war z. B. in der wichtigsten russischen orthodoxen theologischen Bildungsstätte, dem 1631 gegründeten „Collegium Kioviense“, Latein Unterrichtssprache, und es wurde mit der „Summa Theologica“ des Thomas von Aquin und jesuitischen Lehrbüchern unterrichtet. Auch war die an den „Geistlichen Akademien“ der Russischen Orthodoxen Kirche im 19. und zu Beginn des 20. Jahr­hunderts herrschende Theologie wesentlich durch Re­zeption und Auseinandersetzung mit der Literatur und den leitenden Ideen der deutschen liberalen protestan­tischen Theologie geprägt. Diese bei Beschäftigung mit den theologischen und kirchlichen Traditionen Russlands zutage tretende konfessionelle Komplexität der russi­schen Lexik ist bislang noch weitgehend unerforscht. Indem das Russisch-Deutsche Theologische Wörterbuch sie neu beziehungsweise zum ersten Mal erschließt, wird es möglich, diese Forschungslücke zu schließen.

Darüber hinaus ist seit ca. 25 Jahren von offizieller Seite eine Vielzahl westlicher theologischer Literatur ins Russische übersetzt und herausgegeben worden. So
sind beispielsweise autorisierte russische Übersetzungen der Texte des II. Vaticanum (1998) wie auch des Codex Juris Canonici (2007) erschienen, in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland wurde die Agende (1999) neu auf Russisch herausgegeben. Bemerkenswerter­weise werden bei diesen Übersetzungen z. T. lateinische Lehnwörter (z. B. аджорнаме‘нто – Aggiornamento – Öffnung zur Welt), z. T. aber auch Termini ursprünglich slawischer Herkunft verwendet. Auch dieses neue Sprachfeld wird mit dem Russisch-Deutschen Theologischen Wörterbuch zugänglich gemacht.

Das Russisch-Deutsche Theologische Wörterbuch richtet sich in erster Linie an Personen, die sich in Wissenschaft, Kirche, Gesellschaft und Politik vergleichend mit den kulturellen Traditionen Deutschlands und Russlands sowie Weißrusslands und der Ukraine befassen. Das Editionsprojekt zielt somit in einem weiteren Sinn auch darauf, die Voraussetzungen für eine Verbesserung der interkulturellen Kommunikation zwischen dem russi­schen und dem deutschen Sprachraum zu schaffen.

Das Forschungsvorhaben wird in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Theologen orthodoxer, römisch-katholischer und evangelischer Konfession durchgeführt. Es ist eingebettet in eine Kooperation der Theo­logischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Orthodoxen Geisteswissenschaftlichen St.-Tichon-Universität in Moskau.

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