Proyecto Humboldt Digital (ProHD). Zentrum für digitale Kulturerbeforschung
Die Gründung des Zentrums im Jahr 2019 stand unter besonderen Vorzeichen: Erstens jährte sich zum 250. Mal der Geburtstag Alexander von Humboldts, zweitens feierte die Stadt Havanna ihr 500-jähriges Bestehen.
Das Zentrum für digitale Kulturerbeforschung „Proyecto Humboldt Digital“ ist ein internationales Kooperationsprojekt deutscher und kubanischer Partner an den zwei Standorten Havanna (Casa Museo Alejandro de Humboldt) und Berlin (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften). Es richtet sich als interdisziplinäres und interkulturelles Pionierprojekt an eine neue Generation kubanischer und deutscher Wissenschaftler, die mit Hilfe der Technologien und Methoden der digitalen Geisteswissenschaften das schriftliche Kulturerbe Kubas (insbesondere des 18. und 19. Jahrhunderts) bewahren, erschließen und erforschen wollen.
Mit Blick auf die Projektziele sind drei Phasen geplant:
Die erste Phase, die neben der Fritz Thyssen Stiftung auch von der Gerda Henkel Stiftung und vom Auswärtigen Amt mit Fördermitteln unterstützt wird, umfasst drei Jahre (Anfang bzw. Mitte 2019 – Ende 2021) und konzentriert sich vor allem auf die kulturwissenschaftliche Erforschung und editionsphilologisch fundierte, digitale Erschließung kubanischer Quellen und historischer Forschungsdaten zu Alexander von Humboldt. Humboldts „kubanische Jahre“ reichen von seinem ersten Besuch auf der Karibikinsel 1800/01 und der Redaktion seines Tagebuchfragments „Isle de Cube“ bis zum Abschluss seiner Forschung zu Kuba in den 1830er-Jahren. Neben dem forschungsspezifischen und konservatorischen Interesse des Projektes dient die erste Phase dem bilateralen Wissenstransfer, wobei der Schwerpunkt auf dem Aufbau methodischer und technologischer Kompetenzen im Feld der digitalen Geisteswissenschaften liegt. Im dritten Jahr sollen die Projektergebnisse beider Arbeitsgruppen (Berlin, Havanna) u. a. in einer mehrsprachigen digitalen Präsentation der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Die zweite Phase umfasst zwei weitere Jahre (Anfang 2022 – Ende 2023) und verfolgt zwei Ziele. Erstens richtet sich der editionsphilologische und forschungsspezifische Fokus auf den Abschluss der Arbeiten am gemeinsamen Textkorpus ; zweitens werden vorbereitende Maßnahmen zur Institutionalisierung des „Proyecto Humboldt Digital“ am Standort Havanna getroffen, um nachhaltige Strukturen und Kompetenzen zu schaffen, die den kubanischen Partnern erlauben, eine eigenständige Forschung im dynamischen Feld der internationalen digitalen Geisteswissenschaften zu entwickeln.
Im Anschluss soll in einer dritten Phase (ab 2024) das „Proyecto Humboldt Digital“ als Zentrum für die digitale Erschließung und Erforschung des kulturellen Erbes Kubas im historischen Stadtzentrum von Havanna in die konzeptionelle, infrastrukturelle und finanzielle Verantwortung durch Träger vor Ort übergehen.
Das deutsch-kubanische Team hat einen gemeinsamen Forschungs- und Erschließungsauftrag. Stehen auf kubanischer Seite zunächst die Aspekte Digitalisierung, Forschungsdatenmanagement und Metadaten-Erschließung besonders gefährdeter Schriftgüter im Vordergrund, verantwortet die Berliner Gruppe nicht nur die administrative Leitung und Verwaltung der Projektmittel, sondern ist vor allem hauptverantwortlich für den Forschungsauftrag des bilateralen Projektes, eine moderne Infrastruktur für eine digitale Editionsphilologie zu schaffen sowie die kulturhistorische und literaturwissenschaftliche Quellenforschung zum kubanischen 19. Jahrhundert, die angesichts des prekären Zustands der kubanischen Archive und Bibliotheken vor enormen Herausforderungen steht, zu unterstützen. Die digitale und inhaltliche Erschließung der Dokumente und Handschriften des Dossiers „Alexander von Humboldt und Kuba 1800-1830“ soll dabei Wege aufzeigen, wie diesem Problem in Zukunft begegnet werden kann. Inhaltlich erlaubt die Arbeit am Dossier darüber hinaus, bisher fast gänzlich unbekannte historische Handschriften zu Humboldts kubanischer Forschung sowie der Wirkungsgeschichte seiner politischen Schriften zu Kuba im Zusammenhang mit den kubanischen Debatten der Zeit im Kontext von Kolonialismus, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und kulturellem Selbstverständnis zu untersuchen.
Die Gründung des Zentrums im Jahr 2019 stand unter besonderen Vorzeichen: Erstens jährte sich zum 250. Mal der Geburtstag Alexander von Humboldts, zweitens feierte die Stadt Havanna ihr 500-jähriges Bestehen.