Die Zukunft der Rente zwischen Demographie und Armutsrisiko − Eine dynamische Gleichgewichtsanalyse mit differentieller Sterblichkeit und heterogenen Haushalten
Haben die seit der Jahrtausendwende durchgeführten Rentenreformen in Verbindung mit demographischen Trends einen drastischen Anstieg der Altersarmut zufolge?
Auf Herausforderungen an das umlagefinanzierte Rentensystem wie steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten hat die deutsche Politik seit der Jahrtausendwende mit einer Reihe von Reformen reagiert, die unter anderem mittelfristig das Rentenniveau absenken sollen. Es besteht jedoch die Sorge, dass diese Reformen in Verbindung mit demographischen Trends einen drastischen Anstieg der Altersarmut zufolge haben können. Im Vordergrund stehen hierbei zwei Beobachtungen. Erstens ist der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung sehr ungleich über die Bevölkerung verteilt. Sofern niedrigere Lebenserwartungen durch einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand bedingt sind, kann man erwarten, dass Haushalte im unteren Einkommenssegment den Arbeitsmarkt häufig vor dem eigentlichen Altersrenteneintritt über die Beanspruchung einer Erwerbsminderungsrente verlassen. Zweitens steigt die Zahl der alleinerziehenden Elternteile, und die an die Ehe gekoppelten Versicherungsmechanismen gegen Altersarmut wie der Versorgungsausgleich und die Witwenrente verlieren an Bedeutung.
Prof. Fehr und Prof. Kindermann wollen die Frage, ob und wie Altersarmut in Deutschland ökonomisch sinnvoll eingedämmt werden kann, in drei Schritten beantworten.
In einem ersten Schritt wird das Rentenzugangsverhalten und die Einkommenssituation im Alter von Individuen und Haushalten mit unterschiedlichen demographischen Charakteristika dokumentiert. In einem zweiten Schritt werden die empirischen Befunde unter Zuhilfenahme eines strukturellen ökonomischen Entscheidungsmodells unter Unsicherheit interpretiert. Das Modell erweitert den gängigen Lebenszyklusansatz, in dem Haushalte Entscheidungen über Arbeitsangebot, Konsum und Ersparnisse treffen, anhand mehrerer Dimensionen:
- Modellierung der extensiven Arbeitsangebotsentscheidung, d. h. ob ein Individuum überhaupt am Arbeitsgeschehen teilnimmt. Hierzu gehört zum Beispiel die Entscheidung über den optimalen Zeitpunkt des Renteneintritts
- Modellierung der Möglichkeit zu einem früheren Renteneintritt über eine Erwerbsminderungsrente bei gesundheitlicher Einschränkung
- Modellierung von Haushalten nach unterschiedlichen demographischen Charakteristika – Singles, zusammenlebende Paare, Verheiratete sowie Haushalte mit und ohne Kinder
- Modellierung der Lebenserwartung, so dass die Verteilung interner Renditen aus dem gesetzlichen Rentensystem über die Bevölkerung hinweg bestimmt werden kann
Im letzten Schritt wird das Hauhaltsentscheidungsmodell in einen gesamtwirtschaftlichen Simulationsrahmen eingebettet. Auf diese Weise können Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland simuliert und hinsichtlich ihrer Auswirkungen beurteilt werden.