Molecular defects caused by dipeptide repeat proteins in C9orf72-associated neurodegeneration
Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), die u. a. durch den Physiker Stephen Hawking einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde, und die Frontotemporale Demenz (FTD) sind unheilbare Nervenverfallskrankheiten.
Bei der ALS kommt es durch Schädigung der motorischen Nervenzellen (Motoneuronen) zu einer fortschreitenden Lähmung, bei der FTD führt die Beeinträchtigung von Neuronen im Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns zu Sprachstörungen und Persönlichkeitsveränderungen. Beide Krankheiten führen meist innerhalb weniger Jahre zum Tode. Eine Ursache sind in beiden Fällen Moleküle aus der Klasse der RNA-bindenden Proteine (RBPs), die normalerweise von Transportproteinen („Importinen“) in den Zellkern befördert werden und dort an der Genregulation mitwirken; bei ALS und FTD ist ihr Transport in den Zellkern jedoch gestört, so dass sie sich im Cytoplasma anreichern und dort pathologische Aggregate bilden. Eine wichtige genetische Ursache von ALS/FTD sind Mutationen im Gen C9orf72; diese führen zur Produktion von Proteinen, die in übergroßer Menge den in allen Proteinen vorkommenden Aminosäurebaustein Arginin enthalten. Eine chemische Abwandlung (Methylierung) von Arginin ist von entscheidender Bedeutung für den Transport der RBPs in den Zellkern.
Dr. Dormann vermutet auf Grund bisheriger Befunde, dass die anormalen, argininreichen Proteine den Transport der RBPs in den Zellkern stören und die Transportproteine unlöslich werden lassen. Im Rahmen des Forschungsprojekts wird deshalb genauer untersucht, wie die argininreichen Proteine den Proteintransport in den Zellkern beeinträchtigen und wie sie sich auf den Apparat zur Methylierung des Arginins auswirken. An gentechnisch hergestellten Proteinen sowie an Autopsiematerial aus Gehirnen von ALS- und FTD-Patienten möchte Dr. Dormann mit biochemischen, mikroskopischen und immunologischen Methoden folgende Fragen beantworten:
- Welche Folgen haben die Interaktionen zwischen den argininreichen Proteinen und den Transportproteinen? Bilden sich unlösliche Komplexe, die nicht transportiert werden können? Sorgen die argininreichen Proteine durch unmittelbare Wechselwirkungen mit den RBP oder auf dem Weg über die Transportproteine für die Bildung der RBP-Aggregate? Wo sind die relevanten Proteine in den Zellen von Autopsiematerial lokalisiert?
- Welche Auswirkungen haben die argininreichen Proteine auf den Enzymapparat, der Arginin methyliert? Wo ist dieser Apparat in den Zellen lokalisiert?
Insgesamt möchte Dr. Dormann neue Aufschlüsse darüber gewinnen, wie sich die bei ALS/FTD auftretenden argininreichen Proteine auf den Transport der RBP in den Zellkern und auf die Methylierung auswirken. Damit sollen neue Ansatzpunkte zur therapeutischen Hemmung der pathologischen Proteinaggregation aufgezeigt werden.