Geld-Macht-Herrschaft. Landesherrliche Finanzen und Rechnungswesen im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg 1672-1804 in vergleichender Perspektive
Gegenstand des Projektes ist die Analyse der landesherrlichen Finanzen des Herzogtums Sachsen-Gotha und Altenburg im späten 17. und im 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht dabei die langfristige Entwicklung der herzoglichen Einnahmen und Ausgaben im institutionellen Rahmen der Gothaer Finanzverwaltung, verbunden mit der Tiefenanalyse ausgewählter Bereiche der Einnahmen und Ausgaben. Darüber hinaus versteht sich das Projekt als Beitrag zur Erforschung des weiteren Ausbaus der „Staatsgewalt“ in den kleineren Territorien des Alten Reiches.
Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die Begründung und prägende Ausgestaltung von Hof und Verwaltung unter Ernst I. im 17. Jahrhundert. Im Jahre 1672 erfolgte durch den Anfall des Fürstentums Altenburg eine erhebliche Vergrößerung des Territoriums und der Einnahmen. Bei den folgenden Herzögen, Friedrich I. und Friedrich II., standen sowohl die Konsolidierung als auch die überregionale Etablierung des Herzogtums mittels diplomatischem und militärischem Engagements im Mittelpunkt. Welche Auswirkungen das auf die Finanzen im Allgemeinen hatte, ist eine der zu klärenden Fragen. Auch die Betrachtung der Regierung der Herzöge Friedrich III. und Ernst II. steht unter dem Aspekt des möglichen Wandels. In ihre Regierungszeit fällt der zunehmende Bedeutungsverlust der kleineren Fürstentümer im Reich spätestens ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Dies kann, so die Annahme, nicht ohne Auswirkungen auf die Finanzierung der fürstlichen Herrschaft geblieben sein, was sich wiederum auf alle Aspekte der Hofkultur ausgewirkt haben dürfte.
Im Rahmen des Forschungsprojektes werden auf der einen Seite die allgemeinen Entwicklungslinien der Einnahmen- und Ausgabenstruktur der landesherrlichen Finanzen untersucht. Auf der anderen Seite sollen Antworten auf eine Reihe sehr konkreter Fragen aus dem Bereich der Hofhaltung und Behördenorganisation erbracht werden, u. a.: Woher stammten die Mittel für die Hofhaltung und sonstige Ausgaben des Fürstenstaates? Welchen Anteil hatten direkte und indirekte Steuern? Wie gestaltete sich der Umgang mit Krediten und Schulden? Welche Maßnahmen wurden zur Steigerung der Einnahmen ergriffen? Wofür wurden welche Ausgaben getätigt? Was kostete der Hof im Vergleich zu anderen Ausgaben, etwa für das Militär oder das diplomatische Corps? Welche Kosten verursachten die Wissenschafts- und Kunstförderung?
Hauptgegenstand der Auswertung sind die Rechnungen der zentralen Kassen des Herzogtums. Neben der Kammer in Gotha und Altenburg betrifft das die Landschaftskassen, ebenfalls in Gotha und Altenburg, und die Militärkasse in Gotha.
Die Ergebnisse der Untersuchung dürften keineswegs nur aus einer landesgeschichtlichen Perspektive von Belang, sondern auch für eine vergleichende Betrachtung der Verhältnisse in anderen Territorien des Alten Reiches von Nutzen sein.