Political distortions in public investment funding – The case of German hospital care
Ziel des Vorhabens ist die Untersuchung des politischen Einflusses auf die Zuteilung öffentlicher Investitionen in Kliniken.
Die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung erfordert ausreichend hohe Investitionen unter anderem in den Kapitalstock des – besonders kapitalintensiven – Kliniksektors. Diese Investitionen werden in der Mehrzahl von Industriestaaten öffentlich finanziert. Neben rein wirtschaftlichen Erwägungen spielen bei der Allokationsentscheidung aber – gerade in Deutschland – auch politische Aspekte eine wichtige Rolle. Gesetzliche Regelungen verpflichten die öffentliche Hand in Deutschland, Kliniken unabhängig von ihrer Eigentümerstruktur und Gewinnausrichtung zu behandeln. Gleichzeitig verfügen die 16 Landesregierungen und insbesondere deren Gesundheitsminister über einen großen Entscheidungsspielraum bei der Zuteilung öffentlicher Investitionen. Die Literatur geht davon aus, dass öffentliche Investitionen im Vorfeld von Wahlen steigen und dass Regierungen des ideologisch linken Spektrums höhere Gesundheitsausgaben tätigen. Darüber hinaus zeigt die historische Verteilung von öffentlichen Investitionen in den Kapitalstock von Kliniken starke Unterschiede je nach Eigentümerstruktur. Schließlich ist es aufgrund der gesetzlichen Vorgaben plausibel, dass die Landesgesundheitsminister als Individuen eine wichtige Rolle bei der Verteilung spielen. Die verschiedenen politischen Einflüsse können zu verzerrten und suboptimalen Marktergebnissen führen.
Ziel des Vorhabens ist daher die Untersuchung des politischen Einflusses auf die Zuteilung öffentlicher Investitionen in Kliniken. Im ersten Teilprojekt untersucht Dr. Pilny den Einfluss von politischen Faktoren und geht dabei auch auf die Eigentümerstruktur ein. Haben bevorstehende Wahlen oder die ideologische Ausrichtung einer Landesregierung einen Einfluss auf öffentliche Investitionen in Kliniken, und wenn ja, werden private, kommerzielle Krankenhausbetreiber gegenüber nichtkommerziellen Betreibern gezielt benachteiligt? Im zweiten Teilprojekt stellt er den persönlichen professionellen Hintergrund von Gesundheitsministern in den Vordergrund. Setzen Gesundheitsminister mit einem betriebs- oder volkswirtschaftlichen Hintergrund eher auf finanzielle Anreize, um Krankenhausbetreiber zu ökonomischerem Verhalten zu bewegen?
Zur Beantwortung der beiden Forschungsfragen generiert Dr. Pilny einen neuen Datensatz, der für die Jahre 1950-2017 (Ostdeutschland ab 1991) Daten zum Kliniksektor und öffentlichen Investitionen für alle 16 deutschen Bundesländer enthält. Hinzu kommen politische und sozioökonomische Indikatoren als Kontrollvariablen. Datenquelle für den Kliniksektor ist das Statistische Bundesamt, das auch die sozioökonomischen Indikatoren bereitstellt. Daten zu den öffentlichen Investitionen entstammen den Budgetplänen und Jahresabschlüssen der Bundesländer, die in Papierform im Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin zugänglich sind. Ergänzend werden öffentliche Quellen wie Archive, Veröffentlichungen von Landesparlamenten und -regierungen und Internetquellen ausgewertet.