Funding Funded Projects Interest rate risk regulation, negative policy rates, and bank behaviour

Interest rate risk regulation, negative policy rates, and bank behaviour

Im Zuge der jüngsten Finanzkrise sind die Zinssätze in zahlreichen entwickelten Volkswirtschaften stark gefallen. Einige Zentralbanken haben sogar negative Zinsen eingeführt. Diese Situation stellt eine Herausforderung sowohl für Banken wie auch ihre Regulierungsbehörden dar.

Für Banken wird es zunehmend schwierig, Profite zu erzielen, was eine höhere Risikobereitschaft bei der Kreditvergabe zur Folge haben kann. Die für die Stabilität des Bankensystems verantwortlichen Regulatoren müssen sich auf Schocks durch plötzliche, unerwartete Zinserhöhungen vorbereiten. Angesichts der großen Bedeutung des Zinsrisikos für Banken konzentrieren sich auch die Aufsichtsbehörden zunehmend auf dessen Regulierung. Dabei ist das Zinsrisiko aber noch nicht ausreichend erforscht, zumal seine Regulierung derzeit nicht Teil der Mindestkapitalisierungsvorschriften im Rahmen der ersten Säule der Basel-Regularien sind. Stattdessen verlangt die zweite Säule der Basel-Regularien lediglich, dass Banken angemessene Prozesse zum Management des Zinsrisikos einrichten. Auch die Erforschung der Effekte von negativen Zinsen befindet sich noch in ihren Anfängen.

Prof. Schaeck hat zu dieser Problematik zwei eng verbundene Teilprojekte konzipiert.

Im ersten Teilprojekt fragt er, wie die Regulierung des Zinsrisikos das Verhalten von Banken bei der Kreditvergabe beeinflusst. Dazu nimmt er die Umsetzung der Basel-III-Zinsschockauflagen in den Blick. Diese sehen vor, dass für Banken, die bei einer simulierten Veränderung der Zinssätze um ±200 Basispunkte Barwertverluste des Anlagebuchs von über 20 Prozent der regulatorischen Eigenmittel erleiden, ein erhöhtes Zinsrisiko festgestellt wird. Dies kann zu einer Verschärfung der Aufsicht führen. Seit 2017 kann ein 0,75-prozentiger Barwertverlust der risikogewichteten Aktiva zusätzliches Sicherheitskapital erforderlich machen. Diese neuen Schwellen betreffen jede Bank unterschiedlich: Je stärker eine Bank auf Zinserträge angewiesen ist, desto wichtiger sind die neuen Regulierungsvorschriften. Anhand der Regulierungsschwellen lässt sich eine Unterteilung in Banken mit niedrigem und Banken mit hohem Zinsrisiko treffen.

Im zweiten Teilprojekt befasst sich Prof. Schaeck mit dem Zusammenhang zwischen einem negativen Zinsniveau, der Profitabilität von Banken und ihrer Risikobereitschaft. Hier ist von besonderem Interesse, wie sich die Effekte von negativen Zinsen für Banken mit niedrigem und Banken mit hohem Zinsrisiko unterscheiden. Da für Banken mit hohem Zinsrisiko das Insolvenzrisiko bei plötzlichen Zinsbewegungen am höchsten ist, lässt sich der kombinierte Effekt von negativen Zinsen und der Regulierung des Zinsrisikos auf das Verhalten von Banken analysieren.

Die genauen Auswirkungen in beiden Teilprojekten werden anhand eines proprietären Datensatzes der Deutschen Bundesbank untersucht, der auf Quartalsbasis Daten zu Bilanzen, sektoraler Kreditvergabe und Kreditlaufzeiten für alle (rund 1.800) deutschen Banken umfasst. Hinzukommen monatliche Daten zu Wertpapierinvestments von Banken und weitere Makrodaten. Zur Analyse im ersten Teilprojekt werden vornehmlich Regressions-Diskontinuitäts-Analysen genutzt. Im zweiten Teilprojekt kommt ein Differenz-in-Diskontinuitäten-Design zum Einsatz, das Variation aus der Senkung der EZB-Einlagesatzes unter Null einerseits, und Variation aus der Klassifikation von Banken gemäß den Basel III Zinsschockszenarios andererseits kombiniert.

Prof. Schaeck geht davon aus, dass seine Schlussfolgerungen auch auf zahlreiche weitere Länder wie die USA, die Schweiz, Österreich, Italien und Japan übertragen werden können, deren Bankensysteme ähnlich strukturiert sind.

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