Funding Funded Projects Von der Flüchtlingshilfe zur Fluchthilfe. Auseinandersetzungen um Flüchtlingsschutz im deutschen Migrationsregime und die Rolle zivilgesellschaftlicher Initiativen

Von der Flüchtlingshilfe zur Fluchthilfe. Auseinandersetzungen um Flüchtlingsschutz im deutschen Migrationsregime und die Rolle zivilgesellschaftlicher Initiativen

Derzeit gibt es schätzungsweise 65 Millionen Flüchtende weltweit. Dies ist die höchste Zahl seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Im deutschen Asylrecht besteht das Paradox, dass Flüchtende häufig erst durch einen undokumentierten Grenzübertritt Rechtsbruch begehen müssen, um einen Rechtsanspruch auf Schutz zu erlangen. Während die bisherige Forschung zu ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe ihren Fokus auf die Unterstützung zur Integration in der deutschen Gesellschaft gelegt hat, geht es in diesem Vorhaben um die Analyse der Unterstützung zum Zugang zu Flüchtlingsschutz. Untersucht werden zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich für eine sichere Einreise von Flüchtenden nach Deutschland engagieren.
Dementsprechend wurde folgende Forschungsfrage formuliert: Welche Handlungsansätze und Strategien entwickeln zivilgesellschaftliche Initiativen, um sich angesichts beschränkter Einreisewege und humanitärer Notlagen für einen Zugang zum Schutz für Geflüchtete einzusetzen?
Prof. Schwenken geht davon aus, dass staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure in einem ambivalenten Verhältnis zwischen Kooperation und Konflikt zueinander stehen. Die Initiativen zielen darauf ab, die Aufnahme von Flüchtlingen auszuweiten und sichere Fluchtwege zu etablieren. In der Unterstützung konkreter Fälle arbeiten die Initiativen häufig mit staatlichen Institutionen zusammen. Zugleich kritisieren zivilgesellschaftliche Initiativen oft die bestehende Asyl- und Flüchtlingspolitik oder unterlaufen gar staatliche Regulierungen durch aktive Fluchthilfe.
Die Untersuchung ist von drei zentralen Thesen geleitet. Erstens organisieren zivilgesellschaftliche Initiativen zunehmend nicht nur das Willkommen, sondern auch die Flucht selber. Zweitens nutzen pro-migrantische Initiativen strategisch unterschiedliche Ebenen und Einflussbereiche. So wird der Fokus des Engagements auf die lokale Ebene gelegt, wenn die nationalstaatliche Ebene eine restriktivere Asylpolitik verfolgt. Drittens geht die Privatisierung von Flüchtlingsrechten mit einer neuen Abhängigkeit der Flüchtenden einher. Anstatt eines objektiven Rechtsanspruchs sind sie auf privates Engagement angewiesen.
Als Migrationsregime wird das Zusammenspiel aller Akteure definiert, von staatlicher sowie nicht-staatlicher Seite, die im Bereich der Flüchtlingshilfe involviert sind. Für die empirische Analyse wurden fünf Fallstudien für eine intensive Behandlung gewählt, die zwei verschiedenen Falltypen zugeordnet sind. Dem ersten Falltypus gehören Initiativen an, die sich für die Umsetzung legaler Zugänge einsetzten. Hierzu zählen Initiativen, die für die kollektive Aufnahme von Flüchtlingen aus Drittstaaten im Rahmen des Resettlement-Programms einstehen, die sich auf das unionseuropäische Relocation-Programm von 2015 beziehen und die um die Organisation des Familiennachzugs bemüht sind. Der zweite Falltypus besteht aus Gruppen, die Unterstützung bei der (un)dokumentierten Flucht leisten. Hierunter fallen Initiativen, die durch Informationsverbreitung zu sicheren Fluchtrouten die Einreise nach Deutschland unterstützen und solche, die den konkreten, nicht-kommerziellen Transport über die Grenze organisieren. Jeder Fallstudie werden drei bis vier zivil¬gesellschaftliche Initiativen für die konkrete Untersuchung zugeordnet.
Ziel der Fallstudienanalyse ist die Ausarbeitung einer Übersicht und Typologie unterschiedlicher Konflikt- und Kooperationskonstellationen im Rahmen des Migrationsregimes.

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