Funding Funded Projects Lost in Space? The Emptiness of the Center and Centrifugal Determinants of Vote Choice and Party Competition in EP Elections

Lost in Space? The Emptiness of the Center and Centrifugal Determinants of Vote Choice and Party Competition in EP Elections

Im Rahmen des Projekts wird der Erfolg von nicht-zentrischen Parteien und die Entstehung eines zentrifugalen Parteienwettbewerbs bei Wahlen zum Europäischen Parlament empirisch untersucht.

In der politikwissenschaftlichen Literatur ist die Annahme vorherrschend, dass Wahlen in der politischen Mitte entschieden werden. Insbesondere räumliche Modelle von Wahlverhalten und Parteienkonkurrenz postulieren eine Konvergenz zum Medianwähler. Demnach vereinen extremistische Positionen, egal ob links oder rechts, in der Regel keine Mehrheit der Wählerschaft hinter sich. Die Wahlen zum Europäischen Parlament verlaufen allerdings häufig konträr zu diesen Annahmen, denn hier dominieren Parteien, die extreme Positionen einnehmen.
Dr. Tiemann untersucht daher empirisch den Erfolg von nicht-zentrischen Parteien und die Entstehung eines zentrifugalen Parteienwettbewerbs bei Wahlen zum Europäischen Parlament. Theoretisch werden dafür zunächst die zentrifugalen Tendenzen des Wahlverhaltens abgeleitet, die entweder aus räumlichen Modellen oder komplementären Motiven bestehen.
Zu den räumlichen Modellen gehören beispielsweise das Diskontierungs- oder das Richtungsmodell. Das Diskontierungsmodell nimmt an, dass sich Wähler über die vielen Veto-Spieler im politischen System der EU im Klaren sind (bspw. die Europäische Kommission, der Ministerrat oder der Europäische Rat). Die Wahl von nicht-zentrischen Parteien sei rational, da ein später gefundener Kompromiss mit den übrigen, eher zentrischen, EU-Institutionen dann wieder näher an den ursprünglichen Politikpräferenzen liege. Das Richtungsmodell nach Rabinowitz-MacDonald postuliert hingegen einen wesentlich geringeren Grad an Informiertheit der Wählerschaft. Die Vor- und Nachteile der EU-Mitgliedschaft hätten für Wähler einen besonders hohen symbolischen Wert. Gerade dieser symbolische Wert sei bei Wahlen zum Europäischen Parlament dominant und werde von extremistischen Parteien bedient.
Nicht-räumliche Modelle des Wahlverhaltens sehen hingegen einen geringeren Grad an Parteiidentifikation als ursächlich für den Zugewinn extremistischer Parteien. Je stärker Parteien in grundlegenden ökonomischen und politischen Fragen übereinstimmten, desto weniger unterscheidbar seien sie und desto stärker nehme die Parteiidentifikation ab. Dies führe häufig zu einer geringeren Wahlbeteiligung. Auch mache dies Parteien, die von den Mainstreampositionen anderer Parteien abweichen, für den Wähler interessanter. Ebenfalls wird angenommen, dass Wähler amtierende Parteien häufig abstrafen. Da nicht-zentrische Parteien oft keine Regierungsverantwortung innehaben, begünstigt dieses Wahlverhalten die Stärkung der politischen Ränder.
Diese Annahmen werden in dem Forschungsprojekt in erster Linie quantitativ getestet. Datengrundlage sind unter anderem Datensätze der European Election Studies (EES), des Chapel Hill Expert Surveys (CHES), der Manifesto Project Database (MARPOR), des Euromanifestos Projekts sowie des ParlGov Projekts.
Dr. Tiemann überprüft somit existierende theoretische Modelle und plant auch, eigene analytische Modelle zur Stimmabgabe bei Wahlen zum Europäischen Parlament zu entwickeln. Die Befunde könnten von hoher Relevanz für die Beurteilung des aktuellen politischen Wettbewerbes sein und möglicherweise erklären helfen, warum politische Akteure in einigen Mitgliedstaaten extremistische Unterstützer mobilisieren, in anderen jedoch nicht.

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