Funding Funded Projects Antiochia am Orontes. Die Mauersysteme auf dem Staurin und dem Parmeniosmassiv

Antiochia am Orontes. Die Mauersysteme auf dem Staurin und dem Parmeniosmassiv

Antiochia am Orontes gehörte neben Rom, Konstantinopel und Alexandria zu den bedeutendsten Metropolen der römischen Kaiserzeit.

Obwohl die hellenistische Residenzstadt in der antiken Literatur reichen Niederschlag gefunden hat, ist über ihre Bau- und Kunstgeschichte vergleichsweise wenig bekannt. Das liegt vor allem daran, dass nur wenige Bauwerke erhalten geblieben sind und die Siedlungsfläche zum größten Teil von der modernen Stadt überbaut wurde.
Bedeutende Reste antiker Bausubstanz haben sich insbesondere an den Hängen der beiden Stadtberge Staurin und Silpius erhalten. Im Fokus der Studie stehen die Mauersysteme, die auf dem Staurin sowie auf dem zwischen den beiden Stadtbergen gelegenen Parmeniosmassiv verlaufen. Sie weisen zwei unterschiedliche Bautechniken auf: ein trocken versetztes zweischaliges Polygonalmauerwerk sowie ein Mörtelmauerwerk, das teilweise über dem polygonalen Mauerring verläuft. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die wissenschaftliche Bearbeitung dieser Mauersysteme auf dem Staurin in Verbindung mit Daten aus dem Siedlungsgebiet des Stadtberges Aufschlüsse über die hellenistische und frühkaiserliche Entwicklungsphase Antiochias liefern kann.
Im Fokus des Feldforschungsprojekts steht die These, wonach dem Stadtberg Staurin in der Frühzeit Antiochias zentrale Bedeutung zukam: Entgegen der herrschenden Lehrmeinung identifiziert Prof. Brands die Akropolis nicht mit dem Silpius, sondern mit dem Staurin, wo 2007 ein von mehrphasigen Mauersystemen umgebenes Siedlungsgebiet nachgewiesen werden konnte.
Im Rahmen der Studie wird das Mauersystem unter fortifikatorischen und städtebaulichen Gesichtspunkten analysiert und bautypologisch eingeordnet. Fragen zu Datierung, Bauphasen und funktionalem bzw. infrastrukturellem Zusammenhang zwischen Polygonalmauerwerk und umfasster Siedlung sollen dabei genauso geklärt werden wie die bislang unbeantwortet gebliebenen Fragen zum Mörtelmauerwerk: die Überreste werden datiert, in Bauphasen differenziert und – in Bezug auf Bautechnik und fortifikatorischer Konzeption (Turmabstände, Turmhöhen) – mit den aus den kaiserzeitlich-spätantiken Befestigungsanlagen, die sich über beide Stadtberge ziehen, verglichen. Bei den Überlegungen bezieht Prof. Brands darüber hinaus einschlägige Befunde aus den gut erschlossenen Nachbarregionen (Kilikien, Nordwestsyrien) ein und datiert sowohl Mörtelproben als auch Keramiken aus den Mauerfugen (Röntgenbeugungsanalyse). Insgesamt sollen dabei neue Einsichten zur Hellenisierung der Region unter den Seleukiden gewonnen und die These hinsichtlich der identifizierten Akropolis überprüft werden.

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