Funding Funded Projects Münz-Imitationen im infrastrukturellen Kontext während der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in der heutigen Pfalz

Münz-Imitationen im infrastrukturellen Kontext während der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in der heutigen Pfalz

Die sogenannten Imitationen waren eine von mehreren Münzsorten, die nach der Münzreform des Kaisers Aurelian im Jahr 274 n. Chr. eine immer wichtigere Rolle im offiziellen Geldumlauf spielten

Im mittleren Teil der römischen Provinz Germania superior (Region der Pfalz) kam es in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts immer häufiger zu Plünderungen durch einfallende Germanenverbände, in deren Folge der obergermanische Limes um 260 n. Chr. aufgegeben und die römische Administration in die linksrheinischen Gebiete verlegt wurde. Abgesehen von einer kurzen Phase der politischen Stabilität des Gallischen Sonderreichs (260-274 n. Chr.), die allerdings mit der Spaltung in zwei Herrschaftsbereiche einherging, war der Zeitraum zwischen 250 und 305 n. Chr. durch Krieg und Krisen gekennzeichnet. In dieser Periode lassen sich sogenannte Imitationen im numismatischen Befund besonders häufig nachweisen. Die zugelassenen Nachprägungen unterscheiden sich sowohl von der offiziellen Währung – durch abweichende Durchmesser und Gewichtsklassen sowie durch fehlerhafte Legenden und gröbere Bildgestaltungen – als auch von gezielten Münzfälschungen, die die offiziellen Münzen wiederum möglichst getreu und zum eigenen monetären Vorteil nachahmten. Die sogenannten Imitationen waren eine von mehreren Münzsorten, die nach der Münzreform des Kaisers Aurelian im Jahr 274 n. Chr. eine immer wichtigere Rolle im offiziellen Geldumlauf spielten. Obwohl die hohe Relevanz der Münz-Imitationen für finanzielle Transaktionen u. a. in den Grenzregionen kaum bestritten werden kann, ist die Bedeutung dieser speziellen Form der Währung für das Wirtschaftsleben noch weitgehend ungeklärt.
Im Rahmen der Studie möchte Prof. Witschel mit Blick auf die Münz-Imitationen eine Reihe von Fragen klären, die in der bisherigen Forschung unbeantwortet geblieben seien. In methodischer Hinsicht werden die Münzbestände aus rund 22 Siedlungsplätzen der heutigen Pfalz hinsichtlich ihrer Aufteilung in offizielle Prägungen, Imitationen, Sonderreichsprägungen sowie in aurelianische und diokletianische Reformprägungen untersucht. Neben dem Civitas-Hauptort Speyer wurden diesbezüglich repräsentative Vici (u. a. Eisenberg, Rheinzabern), Villae rusticae (u. a. Bad Dürkheim-Ungstein, Wachenheim), Höhensiedlungen (u. a. Kindsbach, Hambach) und Heiligtümer (Bischheim, Rockenhausen) ermittelt, deren Fundmünzen im Rahmen der Studie systematisch untersucht werden. Welchen konkreten Anteil hatten die sogenannten Imitationen im Münzumlauf und in welchem Zusammenhang stand dieser Anteil zum jeweiligen Siedlungstyp und dessen infrastruktureller Anbindung? Darüber hinaus analysiert Prof. Witschel die jeweiligen metallurgischen Zusammensetzungen der Münz-Imitationen in Kooperation mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim und versucht, sowohl die Initiatoren von Imitationen in den Blick zu bringen als auch die Vorbilder im Bereich der offiziellen Prägungen zu benennen und auch die breite Akzeptanz in der Bevölkerung zu ergründen. Für die metallurgische Untersuchung steht ein Altfund mit rund 70 Imitationen zur Verfügung. Da der Komplex nahezu komplett mit demselben Stempel geprägt worden ist, bietet sich in diesem Zusammenhang die einmalige Gelegenheit, die Metallzusammensetzung einer zusammengehörigen Charge zu untersuchen und zu klären, aus welcher Legierung die Münzen bestehen und ob sie möglicherweise aus Altmetall hergestellt worden sind.
Ziel ist es, den Münz-Imitationen ihren Nimbus der Illegalität zu nehmen und den Blick für eine differenziertere Sichtweise zu öffnen, um schließlich die zu erwartenden Erkenntnisse im überregionalen Kontext einordnen zu können.

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