Funding Funded Projects Coordination in Time – A Comparative Analysis of Advanced Economies and Sub-Saharan-Africa

Coordination in Time – A Comparative Analysis of Advanced Economies and Sub-Saharan-Africa

Zeitliche Koordination stellt eine zentrale, aber oft implizite Voraussetzung für Tauschgewinne in modernen Volkswirtschaften dar.

Während sie in fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund standardisierter Zeitmessung und allgemein akzeptierter Zeitkonventionen selbstver­ständlich ist, ist sie in Ländern südlich der Sahara historisch und gegenwärtig mit institutioneller Unsicher­heit, schwächerer Durchsetzung formaler Regeln und höherer Volatilität konfrontiert.

Prof. Börner untersucht mit diesem Forschungsprojekt zeitliche Koordination als ein institutionell und kulturell eingebet­tetes ökonomisches Problem und fragt, wie sich Unter­schiede in der Zeitkompetenz auf die Koordination öko­nomischer Aktivitäten auswirken. Ziel ist es, systematisch zu analysieren, wie Akteure in fortgeschrit­tenen Volkswirtschaften und in Ländern südlich der Sahara zeitliche Koordinationsprobleme lösen und wel­che Faktoren Unterschiede im Koordinationsverhalten erklären.

Mit einem komparativen Ansatz wird un­tersucht, wie Akteure Entscheidungen über den Zeit­punkt ihrer Marktteilnahme treffen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Rolle einfacher, auszahlungsirrelevanter zeitlicher Signale, die als Fokalpunkte für Koordination dienen können. Analysiert wird auch die endoge­ne Entstehung zeitlicher Koordinationsinstitutionen und die Heterogenität individueller Fähigkeiten zur zeitlichen Koordination, bezeichnet als „Zeitkompetenz“ oder „temporale Literalität“.

Zur empirischen Untersuchung der Fragestellungen werden kontrollierte Laborexperimente durchgeführt, in denen Probanden ein Koordinationsspiel in kontinuierli­cher Zeit spielen. In jeder Sitzung werden die Teilneh­menden wiederholt in kleine Gruppen eingeteilt und tref­fen in jeder Periode die Entscheidung, ob und wann sie einen Markt betreten. Ein Markteintritt ist mit Kosten verbunden, führt jedoch zu einem positiven Ertrag, wenn mindestens ein weiterer Akteur innerhalb eines kurzen Zeitfensters ebenfalls den Markt betritt. Die Experimente umfassen verschiedene Treatments, die sich in der Ver­fügbarkeit und der Bereitstellung zeitlicher Signale un­terscheiden. Diese Signale imitieren einfache Zeitmar­ker, wie sie historisch durch öffentliche Uhren, Glocken oder später durch private Zeitmessgeräte bereitgestellt wurden.

Die Hypothesen lauten: Die Verfügbarkeit eines exogen bereitgestellten öffentli­chen zeitlichen Signals erhöht die Koordinationsraten. Ein Teil der Akteure erkennt zeitliche Signale und ist bereit, eigene Ressourcen für deren Bereitstellung oder Nutzung einzusetzen. Endogen bereitgestellte oder private Signale führen zu anderen Koordinationsmustern als exogen bereitgestellte öffentliche Signale.

In einem ersten Untersuchungsschritt liegt der Fokus auf Äthiopien, das als einziges Land der Region nie koloniali­siert wurde und zugleich durch parallel existierende Zeit­regime – gregorianischer und äthiopischer Kalender so­wie unterschiedliche Formen der Zeitstundenzählung – eine besondere institutionelle Ausgestaltung zeitlicher Koordination aufweist. Äthiopien dient damit als Refe­renzfall für zeitliche Koordination ohne direkte koloniale Prägung. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird in Fol­geschritten das identische experimentelle Design in ehemals kolonisierten Ländern umgesetzt, um potenzielle Effekte kolonialer Institutionenerfahrungen vergleichend zu untersuchen. Geplant sind Experimente in Côte d’Ivoire als Vertreter französischer Kolonialtradi­tion sowie in Uganda als Vertreter britischer Kolonial­verwaltung. Ergänzend werden weitere Experimente in Deutschland durchgeführt, um die Referenzgruppe der advanced economies zu erweitern und interne Vergleiche innerhalb dieser Gruppe zu ermöglichen. Dieser mehr­stufige Vergleich erlaubt es, Unterschiede in zeitlicher Koordination systematisch auf institutionelle, historische und kulturelle Faktoren zurückzuführen.

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