Heterogeneous Expectations in HANK Models: Empirical Evidence, New Solution Methods, and Macroeconomic Implications
Die moderne Makroökonomie stützt sich zunehmend auf heterogene agentenbasierte neukeynesianische (HANK) Modelle, um die Verteilungseffekte von Geld- und Fiskalpolitik zu analysieren und Gesamtdynamiken besser zu erfassen.
Die überwiegende Mehrheit der bestehenden HANK-Modelle stützt sich jedoch nach wie vor auf die Annahme der vollständigen Information und rationalen Erwartungen (FIRE). Dies ist zunehmend unhaltbar, denn FIRE besagt, dass Haushalte alle relevanten Informationen perfekt beobachten und zukünftige Preise durch die Lösung eines komplexen allgemeinen Gleichgewichtsmodells prognostizieren – eine Annahme, die empirisch durch Umfrageergebnisse widerlegt wird und kognitiv unplausibel ist.
Prof. Müller und Prof. Luetticke gehen mit diesem Projekt über FIRE hinaus, indem sie empirisch fundierte Erwartungsbildungsprozesse in ein makroökonomisches Modell integrieren. Hauptziel ist die Entwicklung, Parametrisierung und Analyse eines neuen „HE-HANK“-Modells, in dem rationale Erwartungen durch eine Verteilung empirisch beobachteter Erwartungsbildungsregeln ersetzt werden. Die Forschungsfragen lauten: Wie bilden Haushalte ihre Erwartungen, wie passen sie sie an, und tun sie dies auf unterschiedliche Weise? Wenn ja, welche Bedeutung hat die dynamische Heterogenität der Erwartungen auf Haushaltsebene für die makroökonomische Dynamik und die Auswirkungen makroökonomischer Maßnahmen?
Um diese Fragen zu beantworten, werden die Entstehung von Erwartungen anhand einer Reihe von Umfragen klassifiziert und daraus abgeleitete Typen dann in ein vollständiges makroökonomisches Modell eingebettet. Dabei wird der rechnerische Vorteil genutzt, der sich möglicherweise aus der Abkehr von FIRE ergibt, und das kalibrierte HE-HANK-Modell verwandt, um die Ursprünge von Konjunkturzyklen, die Dynamik der Schockausbreitung und wichtige politische Fragen erneut zu untersuchen.
Das Projekt besteht aus drei voneinander abhängigen Komponenten: Erstens werden systematische Muster der Erwartungsbildung anhand verschiedener Haushaltsbefragungen dokumentiert und dabei sowohl statische als auch dynamische Formen der Heterogenität auf Haushaltsebene ausdrücklich mitberücksichtigt.
Zweitens werden die empirisch identifizierten Typen in ein neues HE-HANK-Modell ohne Rückgriff auf die FIRE-Annahme eingebettet. Erwartet wird dadurch auch ein Effizienzvorteil, da die FIRE-Annahme einen sehr rechenintensiven Prozess impliziert.
Drittens wird untersucht, wie sich heterogene Erwartungen auf die Konjunkturdynamik auswirken, und die Folgen für die Übertragung und Wirksamkeit der Geld- und Fiskalpolitik quantifizieren.