Funding Funded Projects Effective Support of Jobseekers with Biased Beliefs

Effective Support of Jobseekers with Biased Beliefs

Der schnelle Übergang aus der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung ist ein wichtiger Indikator für einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt und für das Wohlergehen von Arbeitsuchenden.

Vor diesem Hintergrund und ange­sichts der Tatsache, dass Unterstützungsmaßnahmen für Arbeitsuchende bereits gut erforscht sind, überrascht es, dass Arbeitsuchende in empirischen Befragungen von erheblichen Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche berich­ten und Unzufriedenheit mit dem Prozess äußern. Ein möglicher Grund dafür hängt mit der Konzeption des Prozesses zusammen. Zugrunde liegt immer die Annah­me, dass Arbeitsuchende ihre Fähigkeit realistisch ein­schätzen können, im Rahmen der Arbeitsuche die ge­wünschten Ergebnisse zu erzielen. In Wirklichkeit kön­nen diese Einschätzungen jedoch in vielerlei Hinsicht verzerrt sein. Arbeitsmarktmaßnahmen, die Vorurteile in subjektiven Überzeugungen ignorieren, bieten Arbeitsu­chenden häufig falsche Anreize. Diese falschen Anreize wiederum können zur Wahl fehlerhafter Strategien – zu aktiv oder zu passiv – für die Suche nach Arbeit führen.

Das Projektteam schlägt daher ein Modell für die Arbeitsuche vor, das wichtige Verzerrungen in subjekti­ven Überzeugungen berücksichtigt. Im Modell können Arbeitsuchende übermäßig optimistisch/pessimistisch sein, was die Geschwindigkeit betrifft, mit der sie poten­zielle Arbeitgeber treffen, und was das erwartete Gehalt betrifft. Verzerrte Überzeugungen in Bezug auf Kontakte und Löhne im Modell haben zwei Komponenten: Diejeni­gen Überzeugungen, die Arbeitssuchende nach ihrer Meinung kontrollieren können, und diejenigen, die sie nach ihrer Meinung nicht kontrollieren können. Arbeit­suchende können durch die schrittweise Sammlung von Erfahrungen bei der Arbeitsuche alles über diese Verzer­rungen lernen, wobei gerade bei neueren Erfahrungen eine Tendenz besteht, sie überzubewerten.

Zielsetzung des Vorhabens ist, im Rahmen des Modells das optimale Arbeitslosengeldsystem für jede Dauer von Arbeitslosigkeit abzuleiten. Es werden dabei zwei Konfigurationen optimaler Arbeitslosenunterstützung betrachtet. In der ersten Variante ändert sich die Arbeitslosenunter­stützung im Laufe der Zeit flexibel. Die zweite Variante ist ein zweistufiges System, bei dem zunächst für einen begrenzten Zeitraum Arbeitslosenunterstützung gezahlt wird und danach Arbeitslosenhilfe. Diese zweite Variante spiegelt die realen Systeme vieler OECD-Länder wider und schlägt daher eine Brücke zwischen der Theorie und ihrer Umsetzung in die Politik.

Nachdem das optimale Arbeitslosengeldsystem theore­tisch abgeleitet worden sein wird, soll sich eine struktu­relle ökonometrische Schätzung des Modells und eine Quantifizierung des optimalen Systems anschließen. Dafür ist eine geeignete eigene Datenerhebung geplant. Mit infrastruktu­reller Unterstützung des Instituts für Arbeitsmarktfor­schung der Bundesagentur für Arbeit sollen acht Runden einer Umfrage unter Arbeitsuchenden in Deutschland durchgeführt werden. Die Umfrage soll das anfängliche Ausmaß der Verzerrung subjektiver Über­zeugungen ermitteln und deren weitere Entwicklung im Verlauf der Arbeitsuche verfolgt. Gesammelt werden dabei ob­jektive und subjektive Informationen über Kontakte zu Arbeitgebern, Lohnangebote, Bewerbungsentscheidun­gen und Einstellungen zur Fortsetzung der Arbeitsuche für bis zu 15 aufeinanderfolgende Monate der Arbeits­losigkeit.

Den Abschluss des Projekts bildet dann eine Simulation der Änderungen, die erforderlich wären, um das derzeitige deutsche Arbeitslosenversicherungssystem an das optimale zweistufige Leistungssystem anzupassen, das die verzerrten Überzeugungen von Arbeitsuchenden berück­sichtigt. Es wird analysiert, wie sich Änderungen auf die Geschwindigkeit des Übergangs von Arbeitslosig­keit in Beschäftigung, das Wohlergehen von Arbeitsu­chenden, und die Beiträge von Beschäftigten zur Finan­zierung der Arbeitslosenunterstützung auswirken. Abschließend wird ein Entwurf für die praktische Umsetzung der Simulationsergebnisse erstellt und verschiedenen Interessengruppen präsentiert werden.

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