East Syriac Exegesis in Arabic: Ibn al-Ṭayyib’s commentary on the Gospel of Matthew
Abū al-Faraj ʿAbd Allāh Ibn al-Ṭayyib (gest. 1043) gilt als einer der bedeutendsten Bibelexegeten der christlich-arabischen Literatur des 10. und 11. Jahrhunderts. In seinen Werken bemühte er sich, die ostsyrische exegetische Tradition zu bewahren, indem er Material aus syrischen Quellen für ein arabischsprachiges christliches Publikum übersetzte und zusammenstellte. Sein literarisches Korpus umfasst eine Reihe von Disziplinen, darunter Philosophie, Medizin, Theologie, biblische Exegese und kanonisches Recht. Bisher wurde nur ein kleiner Teil seiner arabischsprachigen Werke ediert.
Dr. Faragalla möchte diese Lücke schließen, indem er Ibn al-Ṭayyibs Kommentar zum Matthäusevangelium analysiert und erstmalig eine englischsprachige kritische Edition des Textes erstellt. Die Analyse des Textes nimmt die exegetischen Methoden (u. a. enge Textanalyse; Integration unterschiedlicher Interpretationen; Erklärung textlicher Diskrepanzen; „Frage-Antwort-Schema“), die Beziehungen zur Bibel des syrischen Christentums („Peschitta“) sowie die von Ibn al-Ṭayyib verwendeten griechischen und syrischen Quellen (u. a. Theodor von Mopsuestia, Johannes Chrysostomus, Theodor bar Konī, Ishoʿ bar Nūn und Ishoʿdād von Merv) in den Blick. Darüber wird untersucht, wie sein philosophischer und medizinischer Hintergrund seine theologischen Interpretationen beeinflusste: Wie hat Ibn al-Ṭayyib in seinem Kommentar aristotelische und galenische Ideen aufgegriffen? Inwiefern prägten (aristotelische) Begriffe wie „Begehren“, „Wille“ und „Handlung“ seine theologischen Interpretationen? Wie hat Ibn al-Ṭayyib sein medizinisches Wissen, zum Beispiel die „Theorie des Traums“ und die „Lehre von den Körpersäften“, in seine Exegese einfließen lassen? Schließlich wird die Rezeptionsgeschichte des Kommentars von Ibn al-Ṭayyib untersucht, insbesondere sein Einfluss auf spätere koptische Autoren wie Siman ibn Kalīl (gest. 1236/37) und Buṭrus al-Sadamantī (gest. nach 1260). Dr. Faragalla möchte damit zu einem tieferen Verständnis der bedeutenden Rolle Ibn al-Ṭayyibs bei der Überlieferung und Adaption der biblischen Exegese aus der syrischen Tradition ins Arabische beitragen.
Als Textgrundlage dienen die überlieferten Handschriften. Ibn al-Ṭayyibs Kommentar ist in 36 Manuskripten aus dem 12. bis zum frühen 20. Jahrhundert überliefert. Von diesen sind fünf unzugänglich, da sie sich in Privatbesitz befinden. Zwei Handschriften aus dem 12. Jahrhundert existieren als Fragmente. Von den übrigen 30 Manuskripten bewahren mindestens fünf den Originaltext von Ibn al-Ṭayyib, drei enthalten sowohl den Originaltext als auch Rezensionen und 22 repräsentieren ausschließlich Rezensionen. Einige Handschriften enthalten auch Marginalien. Diese Anmerkungen reichen von der völligen Ablehnung bestimmter Interpretationen bis hin zu Verweisen auf patristische Autoritäten. Bemerkenswert ist, dass 25 der erhaltenen Handschriften aus Ägypten stammen, was die Rezeption des Textes innerhalb der ägyptischen christlichen Gemeinschaft unterstreicht.