Funding Funded Projects Distrust in science when values clash

Distrust in science when values clash

Dr. Sulik geht von der Beobachtung aus, dass in Teilen der Bevölkerung der westlichen Welt (USA, Europa, Deutschland etc.) gegenüber den Wissen¬schaften ein grundsätzliches Misstrauen besteht.

Die Wissenschaften werden heute – so Dr. Sulik – von vielen Seiten in Frage gestellt oder angegriffen, u. a. durch Impfkritiker, Klimawandelleugner oder Evolutions­skeptiker. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wird vorgeworfen, sich (mit Handlungsanweisungen oder Empfehlungen) in die Politik einzumischen und damit die Grenzen der gebote­nen wissenschaftlichen „Neutralität“ zu überschreiten. Aber auch eine Fundamentalkritik an den „epistemischen Werten“ (u. a. Konsistenz, Reichweite, empirische Über­prüfbarkeit) der Wissenschaften kann beobachtet wer­den (u. a. von Neokonservativen in den USA, von Nichtregierungsparteien wie der AfD in Deutschland oder auch von Politikern wie zum Beispiel dem amerika­nischen Präsidenten Donald Trump), die bisweilen in der Behauptung „alternativer Fakten“ gipfelt.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, am Beispiel Deutschlands und den USA empirisch zu untersuchen, wann – d. h. bei welchen Themen und von welchen gesellschaftlichen Gruppen – Wissenschaft misstraut wird. Dr. Sulik konzentriert sich dabei auf Fälle, in denen es bereits einen „robusten“ wis­senschaftlichen Konsens gibt (Klimawandel, Impfstoffe sind sicher und wirksam usw.), und nicht auf ungeklärte wissenschaftliche Problemfelder.

Im Rahmen des Projekts sollen u. a. folgende Leitfragen beantwortet werden:

Was soll die Wissenschaft tun, wenn „wissenschaftliche“ und „politische“ Werte aufeinanderprallen? Können poli­tische Äußerungen (oder Forderungen) von Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftlern („cues of politicization“) die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft beschädigen? Bringt man Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaftlern, die die Wertneutralität und die „epistemische Reinheit“ („cues of epistemic purity“) als alleinige Maß­stäbe ihrer Forschungen hervorheben, per se mehr Ver­trauen entgegen? Welche Aspekte der Wissenschaft sind am meisten „gefährdet“ („hotspots“) und welche relativ „robust“ gegenüber Veränderungen des Vertrauens? Lassen sich Wissenschaftsskeptiker, selbst wenn sich die Wissenschaften auf „rein epistemische Werte“ be­schränken, tatsächlich überzeugen, oder neigen sie da­zu, wissenschaftliche Ideale und Normen (z. B. Validität, Universalismus, Expertenkonsens) grundsätzlich in Zweifel zu ziehen?

Um den Einfluss politischer, ideologischer, psychosozialer und epistemischer Faktoren („cultural schemas“, „mindsets“, „background beliefs“, „social identities“, „personality“ etc.) auf die Einstellungen gegenüber der Wissenschaft zu analysieren, werden netzwerkbasierte Modelle (u. a. Gaußsche Graphische Modelle, Korrela­tionsklassenanalyse, Antwort-Item-Netzwerke) sowie quantitative und qualitative empirische Untersuchungs­methoden angewandt.

Die Projektergebnisse sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren und wissenschaftlichen Einrichtungen eine Orientierungshilfe geben, wie sie mit brisanten Themen im heutigen gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Wissenschaft in vielen Ländern politisch angegriffen wird, umgehen können.

Newsletter Anmeldung

    Ich bin mit der Speicherung meiner Daten gemäß unseren Datenschutzhinweisen einverstanden.

    Newsletter Abmeldung