Untersuchung der Rolle von UBE2J1 und UBE2J1-Mutationen in aggressivem Lymphom
Das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (diffuse large B-cell lymphoma, DLBCL) ist eine aggressive Krebserkrankung der B-Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutzellen. Unbehandelt führt die Krankheit schnell zum Tode; mit medizinischen Interventionen wird eine Heilungsrate von 60 bis 70 Prozent erzielt.
Sie gliedert sich in zwei Subtypen (GCB und ABC), die sich in ihren Herkunftszellen und ihrem Genaktivitätsmuster unterscheiden. Durch Recherche in Gendatenbanken fand Dr. Scheich in einem Enzymmolekül namens UBE2J1 eine einzelne Stelle, an der bei aggressiven Lymphomerkrankungen gehäuft Mutationen auftreten. UBE2J1 wirkt an der Ubiquitinierung mit, einem Vorgang, durch den Proteine in den Zellen für den Abbau gekennzeichnet werden. In näheren Analysen zeigte sich, dass Mutationen vor allem beim Krankheitssubtyp GCB auftreten und dass das Gen in solchen bösartigen Zellen anormal stark ausgeprägt wird. Mit gentechnischen Methoden konnte Dr. Scheich nachweisen, dass das mutierte UBE2J1 Gewebekulturzellen zu anormal starker Vermehrung veranlasst. Den bisherigen Befunden zufolge dürfte UBE2J1 für das krebsartige Wachstum der B-Zellen mitverantwortlich sein.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die biologische Funktion von UBE2J1 zu klären und zu untersuchen, wie seine mutierte Form zur krebsartigen Veränderung der B-Zellen beiträgt. An geeigneten Zellkulturen sollen mit gentechnischen, molekularbiologischen und zellbiologischen Methoden folgende Fragen beantwortet werden:
- Mit welchen Zellbestandteilen interagiert UBE2J1? Welche Veränderungen führt es durch seine Enzymaktivität an anderen Proteinen herbei? Wie ändert sich das Erscheinungsbild der Zellen, wenn man UBE2J1 gentechnisch inaktiviert? Welche Auswirkungen haben die beobachteten Mutationen?
- In welcher Form ist UBE2J1 an der Signalübertragung in den Zellen und an der Ubiquitinierung beteiligt?
- Welche Eigenschaften von UBE2J1 lassen sich möglicherweise als Ansatzpunkte für neuartige Therapieverfahren ausnutzen? Lässt sich eventuell gezielt in Signalübertragungsprozesse eingreifen, die sich durch die beobachteten Mutationen verändern?
Insgesamt möchte Dr. Scheich mit den Arbeiten neue Aufschlüsse über die Mitwirkung von UBE2J1 am DLBCL gewinnen und so die therapeutischen Möglichkeiten für diese aggressive Krebserkrankung verbessern.