Funding Funded Projects Kulturelle Verflechtungen einer Gesellschaft in Transformation: Philipp Friedrich Hetschs Porträtmalerei

Kulturelle Verflechtungen einer Gesellschaft in Transformation: Philipp Friedrich Hetschs Porträtmalerei

Das Werk von Philipp Friedrich Hetsch (1758–1838) ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten, obwohl der Maler zu Lebzeiten weit über deutsche Künstlerkreise hinaus geschätzt wurde.

Seine geringe Beachtung in der neueren Kunstgeschichte lässt sich möglicherweise auf seine Einordnung als „schwäbischer Klassizist“ zurückführen – eine Kategorisierung, die sein Schaffen auf eine regionale Spielart des Klassizismus reduzierte. Zudem ist seine Malerei seit dem frühen 20. Jahrhundert aufgrund ihrer „lyrischen“ und „weichen“ Ausdrucksweise abgewertet worden, da sie nicht dem heroisch-männlichen Kunstideal entsprach, das Kunsthistoriker jener Zeit in Werken von Jacques-Louis David und Asmus Jacob Carstens vorbildlich verwirklicht sahen.

Angesichts der lückenhaften und veralteten Forschungslage wäre eine vollständige Aufarbeitung von Hetschs Gesamtwerk wünschenswert, würde aber den Rahmen eines Einzelprojekts übersteigen. Daher ist das Projekt auf seine Porträtkunst fokussiert. Dies ist aus mehreren Gründen sinnvoll: Zum einen wurden seine Bildnisse um 1800 sehr geschätzt, zum anderen ist die Qualität seines Porträtschaffens in der Forschung weitgehend übersehen worden. Tatsächlich hat Hetsch kreative Lösungen entwickelt, die psychologische Anforderungen der Zeit an das Porträt mit komplexen bildsystematischen Fragestellungen verbinden und dabei bewusst Bezüge zu bedeutenden Referenzwerken von Raffael, Jacques-Louis David, Adëlaide Labille-Guiard oder Élisabeth Vigée-Lebrun herstellen.

Das Forschungsprojekt ist erstmals einer systematischen Untersuchung von Hetschs Porträtschaffen gewidmet, in dessen Rahmen gängige kunsthistorische Narrative hinterfragt und dabei neues Quellenmaterial erschlossen werden. Die Studie verbindet kunsthistorische, literaturkritische, historische und soziologische Fragestellungen, insbesondere zur Rolle von KünstlerInnen, der Porträtkunst als Ausdruck gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und der Selbstinszenierung von Künstlern. Statt einer rein stilistischen oder regionalen Einordnung wird Hetschs Schaffen im Kontext transnationaler Beziehungen und gesellschaftlicher Transformationsprozesse betrachtet. Damit wird eine wissenschaftlich-kritische Neubewertung ermöglicht, die über festgelegte Regionalismen, rein stilgeschichtliche Kategorien und überholte Künstler- oder Geschlechter­klischees hinausgeht.

In umfassenden und kritischen Werkanalysen werden herausragende Porträts von Freunden und Bekannten sowie von Herrschern und Bürgern in den Fokus gerückt. Der Schwerpunkt der Analyse liegt insbesondere auf der Erforschung von Hetschs künstlerischem Netzwerk, das Stuttgart mit Metropolen wie Paris, Rom, Neapel, Wien, und Berlin verknüpfte. In diesem Zusammenhang werden sein Ausbildungsweg nachgezeichnet, ebenso wie seine Verbindungen zu Akademien, dem Kunstmarkt und dem Ausstellungsbetrieb. Auf Grundlage zeitgenössischer Schriften, relevanter Dokumente sowie persönlicher Briefe und Aufzeichnungen wird die Rezeptionsgeschichte von Hetsch und seinem Werk im historischen und kunstwissenschaftlichen Kontext neu bewertet. Das Projekt dient dabei der systematischen Erforschung dieses zentralen Künstlers wie auch dem weiteren Verständnis künstlerischer Netzwerke um 1800 – ein Aspekt, der durch ein interdisziplinäres Symposium vertieft wird.

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