Wealthy, Wealthier, Wealthiest − The Role of Inheritances and Parental Background for the Structure of the Wealth Distribution and Top Wealth
Über die Bevölkerungsschicht an der Spitze der Vermögenspyramide ist vergleichsweise wenig bekannt. Es fehlt an Wissen darüber, wer zu dieser Schicht gehört und wie die verschiedenen Mechanismen der Akkumulation von Vermögen in diesem Teil der Bevölkerung wirken.
Prof. Biewen und Prof. Schröder wollen anhand des Fallbeispiels Deutschland die Frage beantworten, wie der Reichtum insbesondere am oberen Ende der Vermögensverteilung in der Bevölkerung entsteht und wie er sich reproduziert. Dazu sind vier Arbeitspakete geplant: Arbeitspaket eins umfasst eine explorative Untersuchung, die darüber Auskunft geben soll, welche Eigenschaften Individuen an unterschiedlichen Teilen der Vermögensverteilung besitzen. Dazu wird eine grobe Einteilung der Vermögensverteilung in Segmente vorgenommen: die niedrigsten 50 Prozent, die nächsthöheren 25 Prozent (obere Mittelklasse), die nächsthöheren 24 Prozent (Wohlhabende) und das oberste ein Prozent. Was unterscheidet Individuen im oberen Bereich der Verteilung von Individuen im mittleren und unteren Bereich?
Im zweiten Arbeitspaket werden kontrafaktische Argumente genutzt, um den Einfluss von Erbschaften und Nachlässen zu untersuchen: Wie würde die Vermögensverteilung aussehen, wenn es keine Erbschaften gäbe oder diese anders verteilt wären? In diesem Arbeitspaket wird unter anderem die Stichhaltigkeit der Hypothese geprüft, dass man in Deutschland nur mithilfe einer umfangreichen Erbschaft reich werden könne. Diese Erkenntnisse sind für Deutschland mit Blick auf die Bedeutung des hiesigen Mittelstandes und seinen zahlreichen Familienunternehmen von Bedeutung. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Unterscheidung zwischen relativen und absoluten Vermögensunterschieden gelegt.
Im Rahmen des dritten Arbeitspakets werden verschiedene Faktoren für das individuelle Vermögen unterschieden: einerseits Faktoren, die bereits vor dem Erwachsenenalter festgelegt sind (zum Beispiel individuelle Eigenschaften oder elterlicher Hintergrund), und andererseits Faktoren, die durch individuelles Verhalten beinflussbar sind (zum Beispiel Bemühungen bei der Qualifizierung oder Aktivitäten zur Einkommenserzielung).
Im vierten und letzten Arbeitspaket wird die Synthese der vorhergehenden Schritte gebildet. Wer sind in Deutschland „die Reichen“? Ist Vermögen in Deutschland in erster Linie passiv (Halten von Wertpapieren) oder aktiv (Unternehmertum)? Wie unterscheidet sich Deutschland von anderen Ländern wie den USA, und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus? Inwiefern wird der soziale Zusammenhalt durch absolute oder relative Unterschiede beeinflusst? Zu welchem Grad geht die Vermögensverteilung auf unterschiedliche Chancenverteilung zurück?
Die Antworten auf diese Fragen lassen sich in drei Themenfeldern verorten: Steuerpolitik, Anreize zum Vermögensaufbau, und sozialer Zusammenhalt. In allen drei Bereichen werden konkrete Empfehlungen an die Politik formuliert.