Body Politics: Gender, Healthcare and Obstetric Violence in Nigeria
Maternale Mortalität ist eine der Haupttodesursachen für Frauen in vielen Entwicklungsländern.
In Nigeria ist die Sterberate auffällig und außergewöhnlich hoch mit fast einem Todesfall je 100 Geburten. Eine derart hohe Müttersterblichkeit kann auf unzureichende geburtshilfliche Versorgung und geringe Inanspruchnahme von qualifizierter Geburtshilfe zurückgeführt werden. Um dies zu verbessern, müssten die Versorgungssysteme für Mütter sowie der Zugang zu ihnen gestärkt werden. Studien haben jedoch gezeigt, dass ein schockierend hoher Anteil (80 Prozent) der Mütter während der Geburt in Nigeria physisch oder psychisch missbraucht wird beziehungsweise wurde. Zusätzlich zu den bereits genannten Problemen führt diese (antizipierte) Erfahrung von Müttern dazu, dass viele Frauen in Nigeria keine einrichtungsbezogenen Dienste für ihre Geburt aufsuchen (nur 43 Prozent, was auch im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern sehr niedrig ist), wodurch das Risiko verhinderbarer Komplikationen während der Geburt bis hin zum Tod abermals steigt. Diese Art des Missbrauchs wurde als „obstetric violence“ („geburtshilfliche Gewalt“; im Folgenden: OV) konzeptualisiert und ist eine Verletzung der Menschenrechte.
Hier setzt das Projekt an. Es wird untersucht, inwiefern Geschlechternormen und strukturelle Geschlechterungleichheit OV ermöglichen und aufrechterhalten, es werden also die zentralen strukturellen und kulturellen Genderdynamiken analysiert. Insgesamt ist es Anliegen, Stakeholder mit der Entwicklung sinnvoller Politiken zur Reduktion von OV in Nigeria zu unterstützen.
Es werden fünf konkrete Forschungsziele definiert: Erstens werden die verschiedenen Formen von OV in Nigeria untersucht. Zweitens wird untersucht, welchen Einfluss organisationale Faktoren, drittens geschlechterbasierte soziale Normen und viertens Geschlechterungleichheiten im Gesundheitssystem und in medizinischen Berufen auf die Erfahrungen von OV von Müttern haben. Fünftens wird ergründet, welche geschlechterspezifischen Interventionen OV entgegenwirken könnten.
Einem feministischen phänomenologischen Ansatz folgend fasst Dr. Yalley OV als eine ins Gesundheitssystem eingebettete Manifestation von Geschlechterungleichheiten und eine durch die männliche hegemoniale Kultur in Gesundheitsinstitutionen bedingte Geschlechterinsensibilität auf. Außerdem wird argumentiert, dass die kulturelle Konzeptionalisierung von Weiblichkeit und vom weiblichen Körper in der Missbrauchsbegehung instrumentalisiert wird.
Dazu wurden je zwei Krankenhäuser in drei Staaten Nigerias ausgewählt, die sich geopolitisch, sozioökonomisch, kulturell sowie mit Blick auf die dominierenden Stämme und Religionen unterscheiden: Kano (Imam Wali General Hospital, Danzabuwa Primary Health Centre), Lagos (Isolo General Hospital, Ikoroduu General Hospital) und Abia (Eziama Primary Health Centre, Aba General Hospital). Alle Krankenhäuser sind öffentlich, bieten Geburtshilfe und Entbindungsdienste an und verbinden ländliche und städtische Gegenden.