Funding Funded Projects Glagolitic in Rus‘: An Interdisciplinary Study of East Slavic Biscriptality

Glagolitic in Rus‘: An Interdisciplinary Study of East Slavic Biscriptality

Die glagolitische Schrift – oder Glagoliza, um einen nativen ostslawischen Begriff zu benutzen – ist die ältere der beiden slawischen Alphabetschriften und ist in den 860er Jahren vom griechisch-byzantinischen Gelehrten und Missionar Konstantin bzw. später Cyril, der gemeinhin als „erster Lehrer“ und „Apostel der Slawen“ bezeichnet wird, geschaffen worden.

Glagolitisch ist ursprünglich in den Regionen Mähren und Pannonien innerhalb des kanonischen Ge­biets des Erzbistums Bayern verwendet worden, hat sich dann aber relativ bald auch in Kroatien und Bulgari­en weit verbreitet. Speziell in Bulgarien ist es dann aber schnell durch das griechische Alphabet ersetzt worden, das um Buchstaben zur Darstellung slawischer Laute ergänzt worden ist. Aus diesem erweiterten griechischen Alphabet hat sich dann das Kyrillisch entwickelt. In glagolitischer Schrift verfasste Texte hat es in der Rus, d. h. bei den Ostslawen, in ausreichender Menge frühes­tens ab dem Ende des 10. Jahrhunderts und nicht später als die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts gegeben. Diese Texte sind zusammen mit einer großen Menge slawi­scher Manuskripte in Kyrillisch nach Rus gekommen und beinhalten zumeist liturgische Texte.

Das Ziel des Projekts ist die Untersu­chung der glagolitischen Schrift bei den Ostslaven vor dem Hintergrund neuer theoretischer Ansätze aus der Soziolinguistik und der Schriftpragmatik der aktuellen germanistischen und anglistischen Sprachwissenschaft. Dies ist umso wichtiger, da die Verwendung des Glagolitischen bei den Ostslaven bislang nur einem engen Kreis von Spezialistinnen und Spezialisten der slawischen Epigraphik und der glagolitischen Schrift be­kannt ist und diese Verwendung in der mittelalterlichen Rus bisher nur als Randphänomen dargestellt worden ist. Daher möchte Dr. Mikheev mit diesem Projekt eine bedeutende Wissenslücke über die mittelalterliche ostslawische Schriftkultur im Vergleich zu anderen slawi­schen und europäischen Schriftkulturen schließen.

Er verfolgt einen interdis­ziplinären Ansatz, der digitale Paläographie, grapho- und soziolinguistische Typologie sowie die Materialität der Texte umfasst. So wird durch die Unter­suchung der altostslawischen glagolitischen Tradition im weiteren typologischen Kontext anderer Schriftkulturen unter Verwendung der Methoden neuer theoretischer Ansätze der Soziolinguistik, der Soziologie und Pragma­tik des Schreibens ermöglicht werden, über die Grenzen einer reinen deskriptiven Untersuchung dieses Phäno­mens hinauszugehen und dem Verständnis der sozialen und kulturellen Bedeutung näher zu kommen. Zugleich wird diese Methode diese neuen theoretischen Richtungen in der Sprach-, der Geschichts- und Kulturwissenschaft mit neuem Material versehen, das bisher nicht oder nicht ausreichend be­rücksichtigt worden ist.

In der ersten Projektphase werden die Primärquellen, die bislang noch kaum wissenschaftlich untersucht wurden, analysiert. Zweitens wird das gesamte Korpus altost­slawischer glagolitischer Texte systematisch beschrieben. Daneben findet die Analyse der Merkmale der altostslawischen Glagolitik unter Berücksichtigung der neuesten Methoden auf den Gebieten der di­gitalen Paläographie und Grapholinguistik und im Vergleich mit Glagolitisch in anderen slawischen Schriftkulturen statt. Außerdem wird eine digitale Datenbank zur Erfor­schung der glagolitischen Schrift geschaffen.

Zuletzt führt Dr. Mikheev eine soziolingu­istische und pragmatische Analyse des glagoliti­schen Alphabets in der Rus vor dem Hintergrund der Situation in anderen geographischen Gebie­ten unter Bezugnahme auf moderne Theorien der Mehrschriftlichkeit durch.

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