TIP-CHIP Thrombo-Immune Phenotyping of Clonal Hematopoiesis of Indeterminate Potential in Cardiovascular Disease
Bei der klonalen Hämatopoese von unbestimmtem Potenzial (Clonal Hematopiesis of Indeterminate Potential, CHIP), einer Anomalie des blutbildenden Systems, haben einzelne Blut-Stammzellen eine Mutation durchgemacht, so dass die aus ihnen hervorgehenden, verschiedenartigen Blutzellen verändert sind.
Man kennt eine ganze Reihe von Genen, die von solchen Mutationen betroffen sein können. Wie man seit Kurzem weiß, ist CHIP ein Risikofaktor für Atherosklerose (Verengung von Blutgefäßen) und damit für koronare Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfälle. An den entzündlichen Vorgängen und Ablagerungen auf der Gefäßinnenseite sind insbesondere die Blutplättchen beteiligt, Zellen, die auch bei der Blutgerinnung mitwirken und bei Atherosklerose große Aggregate mit weißen Blutzellen (platelet-leuko-cyte aggregates, PLAs) bilden. Wie sich die genetischen Veränderungen der Blutplättchen bei CHIP im Einzelnen auf die Vorgänge bei der Atherosklerose auswirken, ist aber bisher nicht bekannt.
Das Projektteam analysiert deshalb die Zusammenhänge zwischen CHIP bei Blutplättchen und koronarer Herzkrankheit genauer. Dazu werden zunächst Kohorten von Patientinnen und Patienten mit und ohne CHIP sowie mit und ohne KHK rekrutiert. Als Untersuchungsmaterial dienen dann Blutproben dieser Personen. Zur Analyse werden insbesondere die moderne biophysikalische Methode der Time-of-Flight-Massenspektrometrie (CyTOF) und das neuartige Verfahren der sogenannten digitalen holographischen Mikroskopie (DHM) eingesetzt. Im Einzelnen sollen damit sowie mit immunologischen und molekularbiologischen Methoden folgende Fragen beantwortet werden:
- Wie unterscheiden sich die Genaktivitätsmuster in den Blutplättchen in den an den PLAs beteiligten weißen Blutzellen der verschiedenen Probandengruppen?
- Wie unterschieden sich genetisch unterschiedliche Untergruppen der Blutplättchen aus den Probandengruppen im Hinblick auf ihre Genaktivität?
- Wie unterschieden sich die PLAs der Probandengruppen in ihrem äußeren, mikroskopisch sichtbaren Erscheinungsbild?
Am Ende wird eine Computeranalyse sämtlicher Befunde stehen, die Aufschluss über die Zusammenhänge zwischen den jeweils mutierten Genen, der Genaktivität in den Blutplättchen und der Entstehung der Atherosklerose gibt. Der so erstellte „CHIP-Atlas“ soll anderen Forschenden als Basis für weitere Arbeiten dienen können.
Insgesamt sollen neue Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie CHIP zum erhöhten Risiko für KHK und Schlaganfall führt. Die Befunde sollen neue Ansatzpunkte für Verhütung und Therapie der CHIP-bedingten Gefäßverschlusskrankheiten liefern.