Immigration Enforcement across the World: Drivers and Consequences of Cross-County Variation in Deportation Risks
Das Abschieben von Migrantinnen und Migranten ist in vielen Ländern gängige Praxis. Obwohl Abschiebungen in vielen Ländern ein beträchtliches Ausmaß erreicht haben, gibt es nur wenige quantitative Untersuchungen zu Abschiebepraktiken und der Dynamik von Abschieberegelungen im Zeitverlauf. Aktuelle Studien beschränken sich meist auf qualitative Untersuchungen und Fallstudien. Dies liegt primär an einem Mangel an Abschiebedaten für große Länderstichproben.
Dr. Ambrosius möchte mit diesem Projekt zunächst die erste globale, länderspezifische Datenbank zu Abschiebungen aus administrativen Quellen der einzelnen Aufnahmeländer erstellen. Die Informationen werden in einem Datenarchiv (EconStor) öffentlich zugänglich gemacht, das jährliche Daten zu Abschiebungsanordnungen, durchgeführten (erzwungenen) Abschiebungen für Länderpaare (Ziel- und Herkunftsland) sowie demografische Schlüsseldaten über Abgeschobene enthält. Der Datensatz wird so weit zurückreichen, wie es die Register erlauben. Er wird Daten aller relevanten Aufnahme- (u. a. OECD-Länder mit hohem Einkommen und Golfstaaten) sowie zahlreicher Ziel- und Transitländer (hauptsächlich Länder des globalen Südens) umfassen. Da nur wenige Aufnahmeländer direkten Zugang zu Abschiebungsdaten gewähren, werden die Daten von jedem Aufnahmeland einzeln angefordert.
Sodann zielt das Projekt auf die Beantwortung dreier umfassender Forschungsfragen ab, wobei Abschiebungen sowohl als abhängige (die ersten beiden Fragen) als auch als unabhängige Variable (die dritte Frage) betrachtet werden. Erstens untersucht Dr. Ambrosius die Ursachen selektiver Abschiebungen: Was erklärt das Abschieberisiko verschiedener Migrantengruppen? Zweitens deren Zeitpunkt: Was treibt die sich im Laufe der Zeit verändernde Abschiebungsdynamik an? Und drittens ihre Folgen für die Herkunftsländer: Welche Auswirkungen hat ein Zustrom von Abgeschobenen auf Selektionsmuster und soziodemographische Profile der zurückkehrenden Migrantinnen und Migranten und auf das Ausmaß sozialer und politischer Konflikte in den Herkunftsländern?
Da es sich um ein relativ neues Forschungsgebiet mit neuartigem Datensatz handelt, werden im Laufe des Projekts auf Grundlage der empirisch gefundenen Muster Theorien zur politischen Ökonomie der Abschiebepraxis entwickelt.
Dr. Ambrosius formuliert bis zu zwei Hypothesen je Forschungsfrage: Erstens wird auf der Makroebene angenommen, dass das individuelle Abschieberisiko erheblich von geopolitischen Bedingungen sowie den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen zwei Ländern abhängt. Daher erwartet Dr. Ambrosius, dass das Abschieberisiko je nach geopolitischen Bedingungen und den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern variiert. Zweitens erwartet er, dass das Abschieberisiko im Zeitverlauf aufgrund von Wirtschaftszyklen und politischen Dynamiken (z. B. Wahlen) in den Aufnahmeländern variiert. Drittens postuliert er, dass ein höheres Abschieberisiko zu einer stärkeren negativen Selektion unter den zurückkehrenden Migrantinnen und Migranten führt und ein höherer Zustrom von Abgeschobenen die sozialen und politischen Konflikte in den Herkunftsländern erhöht.