History of Logic Diagrams in Kantianism
Im Zentrum des Forschungsvorhabens stehen sogenannte Logik-Diagramme. Dabei handelt es sich um geometrische Schemata (z. B. sich überlappende Kreise, Ellipsen oder Rechtecke, baumartige Strukturen), die eine Schnittstelle zwischen der sinnlich wahrgenommenen Welt und der abstrakten Logik darstellen. Diese Graphiken dienen seit der Antike zur Veranschaulichung philosophischer, insbesondere logischer Problemstellungen. Nach der Etablierung der algebraisch orientierten Logik in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts (u. a. F. L. G. Frege, B. Russell, D. Hilbert) haben sie an Bedeutung verloren. Heute jedoch kommen Euler-, Venn- oder Pierce-Diagramme in vielen Fachdisziplinen wieder zum Einsatz, z. B. in der Mathematik, Psychologie, Linguistik, Neurowissenschaft oder Informatik.
Ziel des Projekts ist es, Design und Anwendung von Logik-Diagrammen in den verschiedenen philosophischen Schulen der frühen Neuzeit (u. a. bei G. W. Leibniz, Chr. Wolff) sowie vor allem bei I. Kant und den Kantianern im 19. Jahrhundert (u. a. J. G. Kiesewetter, K. C. F. Krause, J. F. Fries, A. Schopenhauer) in historischer und systematischer Perspektive zu untersuchen. Dabei werden Logik-Diagramme in den einschlägigen philosophischen Schriften recherchiert, klassifiziert (z. B. Diagramme mit philosophischem, logischem, heuristischem, didaktischem Fokus) und systematisch im Hinblick auf ihre Relevanz für aktuelle Forschungsfelder (z. B. Mathematik, Didaktik, Analytische Philosophie, Künstliche-Intelligenz-Forschung, Epidemiologie, Semantik) untersucht.
Dr. Lemanski hat bereits ca. 60 relevante philosophische Texte mit über 1.000 Logik-Diagrammen in einer digitalen Sammlung erfasst. Dieses digitale Archiv wird im Rahmen des Projekts erweitert.