Funding Funded Projects The Therapeutic Game: The Effectiveness of Psychotherapy Explained within the Context of Philosophy of Language

The Therapeutic Game: The Effectiveness of Psychotherapy Explained within the Context of Philosophy of Language

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, den für den Spracherwerb entwickelten „Scorekeeping-Ansatz“ von David Lewis auch für die Psychotherapie fruchtbar zu machen.

Nach einer allgemein anerkannten Definition versteht man unter Psychotherapie die Anwendung klinischer Methoden in einem persönlichen Gespräch zwischen einem Therapeuten und einem Klienten mit dem Ziel, Menschen dabei zu helfen, ihr Verhalten, ihre Kognitionen, Emotionen und andere persönliche Merkmale in Richtungen zu ändern, die die Teilnehmer für wünschenswert halten. Um den Erfolg der Psychotherapie zu bestimmen, sind die Goldstandards randomisierte kontrollierte Studien, bei denen eine Gruppe, die experimentelle Gruppe, die zu bewertende Intervention erhält, während die andere, normalerweise als Kontrollgruppe bezeichnet, alternative Behandlungen oder keine Intervention erhält.

Da jedoch vermeintlich unterschiedliche Formen der Psychotherapie eine ähnliche Wirksamkeit gezeigt haben, wird in der Wissenschaft eine Debatte darüber geführt, welche Faktoren ursächlich für die therapeutische Veränderung sind. Eine These ist z. B., dass die spezifischen Methoden, auch bekannt als empirisch gestützte Behandlungen (ESTs), in erster Linie kausal für das Ergebnis verantwortlich sind. Befürworter eines Common-Factor-Ansatzes (CF) be­haupten hingegen, dass die ähnliche Wirksamkeit ver­schiedener Formen der Psychotherapie am besten durch Faktoren erklärt werden kann, die von den verschiedenen Behandlungen geteilt werden, wie die therapeutische Beziehung und Empathie. Schließlich plädiert eine wei­tere Gruppe für einen „gemischten“ Ansatz, nach dem sowohl gemeinsame Faktoren als auch spezifische Methoden ursächlich für die therapeutische Veränderung sind.

Ausgehend vom „Scorekeeping-Ansatz“, den David Lewis in seinem Artikel „Scorekeeping in a Language Game“ entwickelt hat, ist die Hauptthese des Projekts, dass die Wirksamkeit der Methoden und Interventionen der ver­schiedenen Formen der Gesprächstherapie zu einem großen Teil von den „Konversationstechniken“ abhängt, insbesondere denjenigen, die sich auf Akkommodations­regeln („rules of accomodation“) berufen. Nach dem „Scorekeeping-Modell“ gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Therapeut das therapeutische Gespräch beeinflussen kann. Erstens kann der Therapeut das therapeutische Gespräch mit seinen eigenen Gesprächsbeiträgen ändern. Da solche Äußerungen wiederum Einfluss darauf haben, welche zukünftigen „Interventionen“ im Laufe des Ge­sprächs zulässig oder sogar möglich sind, beeinflusst der Therapeut auf diese Weise auch indirekt den „Gesprächs­wert“. Zweitens kann der Therapeut das therapeutische Gespräch beeinflussen, indem er die Gesprächsbeiträge des Klienten „blockiert“ („Hey, warte eine Minute, das wusste ich nicht …!“). Mit dem Einsatz einer systemi­schen Fragestellung kann der Therapeut dem Klienten in der Regel eine alternative und möglicherweise weniger problematische Beschreibung der Realität liefern.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, mit Hilfe des „Scorekeeping“-Ansatzes von Lewis die Wirksamkeit („effectiveness“) der Methoden und Interventionen verschiedener Formen der Gesprächstherapie, z. B. kog­nitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Ansätze, systemische Therapie, zu untersuchen, indem die linguistischen und sprachphilosophischen Aspekte des therapeutischen Gesprächs in den Blick genommen werden.

Eine Forschungshypothese ist, dass Akkommodationen eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit einer Viel­zahl von Methoden und Interventionen der Gesprächs­therapie spielen und auch mit einem anderen wichtigen Faktor für die Wirksamkeit der Gesprächstherapie inter­agieren, nämlich der therapeutischen Beziehung. Eine Bestätigung dieser Annahme hätte erhebliche Auswirkungen auf die therapeutische Praxis, da sie die Bedeutung der Anwendung und sprachtheoreti­schen Reflektion bestimmter „Konversationstechniken“ bei der Ausbildung von Therapeuten hervorheben würde. Es würde erfordern, die Therapeuten in besonderer Weise zu schulen, um die Leistung potenziell problematischer Gesprächsübungen seitens des Klienten zu erkennen, und sie zu trainieren, problematische Voraussetzungen zum Beispiel durch Erklärung, Paraphrasierung, eine hochgezogene Augenbraue und dergleichen zu „blockieren“.

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