Funding Funded Projects „The one who heals is the one who is right. “ Philosophical and narrative strategies of justification in heterodox texts on medicine (Anthroposophy, Homeopathy, Neoshamanism)

„The one who heals is the one who is right. “ Philosophical and narrative strategies of justification in heterodox texts on medicine (Anthroposophy, Homeopathy, Neoshamanism)

Gegenstand des Forschungsvorhabens sind „alternativmedizinische“ Heilungskonzepte und deren Begründungsstrategien.

Dem Forschungsvorhaben liegt die Annahme zugrunde, dass sich die „Alternativmedizin“ in weltanschaulichen Einstellungen sowie in epistemologischen und wissen­schaftstheoretischen Auffassungen grundsätzlich von der „Schulmedizin“ unterscheidet. So geht sie häufig von einem „Geheimwissen“ aus, das nur „Eingeweihten“ zu­gänglich ist. Als wesentliche Heilungsfaktoren sieht sie „spirituelle Kräfte“ an. In der Begründung ihrer Heilungs­lehre beruft sich die „Alternativmedizin“ auf die „Evidenz innerer Erfahrung“ oder die „intuitive Erfassung“ über­greifender Zusammenhänge. Damit weicht sie – nach der Auffassung von Vertretern der „akademischen“ Medizin – von wesentlichen Prinzipien der Wissenschaft (z. B. empirische Absicherung von Lehren, logische Stringenz der Argumentation, Transparenz wissenschaft­licher Forschungsergebnisse) ab.

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, am Beispiel von Anthroposophie (Rudolf Steiner), Homöopathie (Samuel Hahne­mann) und Neo-Schamanismus (Carlos Castaneda, Michael Harner) diskursive (und narrative) Überzeugungs- und Rechtfertigungsstrategien in „heterodoxen“ Texten zur Medizin zu rekonstruieren. Diese Texte sind oft Teil einer polemischen Auseinandersetzung zwischen „ortho­doxer“ und „heterodoxer“ Medizin. Deshalb werden die „heterodoxen“ Apologien nicht isoliert, sondern im Kon­text der Auseinandersetzungen zwischen „Schul-“ und „alternativer“ Medizin im Hinblick auf ihre Argumenta­tionsstrukturen systematisch analysiert.

Dr. Lessau orientiert sich dabei an dem von dem britischen Philosophen Stephen Toulmin entwickelten Modell für ein „Layout of Arguments“. Die Grundlage einer Argumentation ist – so Toulmin – eine „Information“ (data“). Ausgehend davon wird eine „Schlussfolgerung“ („claim“) gezogen. Diese „Konklu­sion“ führt zur einer „Regel“ oder einem „Grundsatz“ („warrant“), der bei komplexeren Begründungszusam­menhängen durch eine „Stützung“ („backing“), eine Rechtfertigung, die auf allgemeine Werte, Normen, moralische Regeln oder Ethiken zurückgreift, erweitert werden kann. Weitere Elemente bilden „Modalope­ratoren“ („qualifiers“) und „Ausnahmebedingungen“ („rebuttals“), welche etwas über die Verbindlichkeit und Tragweite der Schlussfolgerung aussagen. Mit Hilfe die­ses Argumentationsmodells werden die Rechtfertigungs- und Überzeugungsstrategien der „alternativen“ medizi­nischen Konzeptionen systematisch beschrieben und im Hinblick auf ihre argumentative Stringenz und Konsistenz überprüft.

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