Funding Funded Projects The Bible in Middle-Byzantine Hagiography (8th‒10th century)

The Bible in Middle-Byzantine Hagiography (8th‒10th century)

Das Byzantinische Reich befand sich von der Mitte des siebten bis ins späte achte Jahrhundert in einer existentiellen Krise. Nach außen musste es sich gegen persische, islamische und slawische Invasoren wehren, die Stabilität im Inneren wurde durch politische und theologische Auseinandersetzungen (u. a. Bilderstreit) bedroht. Erst unter der Herrschaft Michaels III. (842–867) und Basilius` I. (867–886) beruhigte sich die politische Lage. In der Zeit der Makedonischen Dynastie (867–1025) erlebte das Byzantinische Reich eine politische und kulturelle Blütezeit, die Kunst, Literatur, Philosophie, Theologie und Wissenschaft betraf. Neuere Forschungsarbeiten interpretieren diese „Makedonische Renaissance“ als einen Versuch, den Triumph der Orthodoxie über den Ikonoklasmus ideologisch zu untermauern und die Herrschaft der Kaiser mit Hilfe der Religion zu festigen. Dabei spielten – so die These Prof. Sodes und Prof. Ceulemans – auch Hagiographien als „Massenmedium“ eine wichtige Rolle.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird die Verwendung der Bibel in Hagiographien in der Mittelbyzantinischen Zeit untersucht. Es wird herausgearbeitet, welche Bilder und Zitate aus der Bibel in hagiographi­sche Texte Eingang fanden, wie die Hagiographien in der Gesellschaft, der (literarischen) Kultur, der Liturgie der Kirche und der Volksfrömmigkeit rezipiert wurden und inwiefern sie zur Bildung einer „nationalen“ byzantini­schen Identität und zur Entwicklung der orthodoxen griechischen Kultur beigetragen haben.

Das Forschungsprojekt beruht auf drei Säulen:

Erstens wird die Präsenz biblischer Stellen in byzantinischen Hagiographien (u. a. Leo von Catania, 8. Jahrhundert; Nilos von Rossano, 10. Jahrhundert) dokumentiert, in einer öffentlich zugänglichen Datenbank erfasst und analysiert.

Zweitens werden Hagiographien, in denen (bisweilen in polemischer und konfrontativer Weise) das Verhältnis zwischen orthodoxen und heterodoxen Christen sowie Andersgläubigen (z. B. Juden, Muslime, Paulizianer, „Bilderstürmer“) thematisiert wird, untersucht. Der Forschungsfokus richtet sich dabei insbesondere auf die Heiligenlegenden, in denen biblische Bilder und Metaphern zur Charakterisierung des Judentums und zur Verteidigung der Überlegenheit des Christentums verwendet werden. Damit soll die Funktion von Hagiographien als ein Instrument zur öffentlichen Meinungsbildung und zur Durchsetzung der imperialen Ideologie im Byzantinischen Reich heraus­gearbeitet werden.

Drittens werden die byzantinischen Hagiographien in Hin­blick auf Sprache, Stil und Rhetorik untersucht. Denn die Hagiographen der Mittelbyzantinischen Epoche knüpfen wieder an die klassizistische Hochsprache früherer Zeiten (Spätantike/Frühbyzantinische Zeit) an. Erwartet werden dadurch Aufschlüsse über die Entwick­lung der griechischen Sprache sowie den Bildungsstand der Autoren und Leser.

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