Targeting tissue stiffness to improve cancer therapy
Es wird immer deutlicher, dass physikalische Parameter bei der Pathogenese und Ansprechbarkeit von Krankheiten eine wichtige Rolle spielen.
Insbesondere die Steifigkeit – der Widerstand, den das Gewebe einer Verformung entgegensetzt – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Verliert ein Gewebe an Elastizität, kann dies die Entstehung und das Fortschreiten von Tumoren begünstigen. Bei manchen Krebsarten wie dem Bauchspeicheldrüsen- oder Brustkrebs spricht eine ausgeprägte Gewebesteifigkeit oft für eine schlechte Prognose. Wie sich gezeigt hat, können jedoch Substanzen, die diese mechanischen Eigenschaften verändern, insbesondere bei bereits vorhandenen Metastasen, die Überlebenschancen der Patienten verbessern.
Dr. Diz-Muñoz studiert die Wechselwirkungen zwischen den physikalischen und molekularen Mechanismen, die zu dieser Gewebesteifigkeit führen. Sie sucht nach Proteinen und Substanzen, die auf mechanische Kräfte einwirken und die mechanischen Eigenschaften eines Gewebes verändern können. Ihren Untersuchungen zufolge erhöhten aktivierte Fibroblasten die Steifigkeit des Gewebes sowohl in einem primären Dickdarmtumor als auch in Lebermetastasen; umgekehrt reicht eine Verringerung dieser Steifigkeit durch eine Blockade der Fibroblastenaktivitäten aus, um das Leben von Patienten mit einem metastasierenden Dickdarmkrebs zu verlängern. Bei einem der wichtigsten und am weitesten verbreiteten Prozesse, die ein Gewebe versteifen können, lagern Myofibroblasten im Gewebe erhebliche Mengen an Kollagenen ab. Dieser Prozess, der die Architektur eines Gewebes verändert, kann zu dessen Funktionsverlust und selbst zu einem Organversagen führen. Wie es dazu kommt, dass Fibroblasten derart aktiviert die Biomechanik vor Ort verändern, ist allerdings noch weitgehend unbekannt.
Bei ihrer Suche nach biomechanisch wirksamen Krebstherapeutika verfolgt Dr. Diz-Muñoz zwei unterschiedliche Aspekte: Zum einen analysiert sie, welche Faktoren im lebenden Organismus eine Rolle spielen, und versucht zu klären, in wieweit bereits vorhandene Medikamente in der Lage sind, biomechanische Parameter zu beeinflussen. Für die erste Fragestellung wird im Gewebe eines primären Dickdarmtumors zunächst einmal mithilfe eines Rasterkraftmikroskops die Steifigkeit kartiert. Korrespondierend dazu werden im selben Gewebe sämtliche von einzelnen Zellen synthetisierten RNA-Moleküle erfasst. Durch einen Abgleich der beiden Datensätze aus der Kartierung und der Genexpression hofft Dr. Diz-Muñoz, eine Reihe von Proteinen identifizieren zu können, die für die Steifigkeit des Gewebes relevant sind. In wieweit diese molekularen Akteure eines „Biomechanoms“ auch de facto derartige biomechanischen Qualitäten aufweisen, wird schließlich an einem Testsystem mit Fibroblasten überprüft, die mit Tumoren und Metastasen assoziiert sind. Im zweiten Teil des Projekts werden dann bereits vorhandene, aber für andere Zwecke entwickelte Medikamente dahingehend untersucht, in wieweit sie sich als biomechanische Modulatoren eignen.
Ob sie wirklich effiziente „Mechanomedikamente“ sind, wird dann erneut im Fibroblasten-Testsystem analysiert.