Investigating the relationship between human behavioral change and environmental conditions during the Late Pleistocene in the interior of KwaZulu-Natal, South Africa
Der zeitliche und geographische Rahmen des Projekts umfasst die letzte Phase der Mittelsteinzeit in Südafrika (vor etwa 40.000 bis 30.000 Jahren), als der Homo sapiens noch als Jäger und Sammler lebte. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Frage, inwieweit die Variabilität des menschlichen Verhaltens und der materiellen Kultur durch Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen erklärt werden kann.
Die Mittelsteinzeit ist bekannt für zahlreiche Innovationen, die auf einen neuen Grad an kognitiver Komplexität und Verhaltensflexibilität hindeuten. So lassen sich in dieser Zeit u. a. Bestattungen mit Grabbeigaben, persönlicher Schmuck und symbolische Gegenstände nachweisen. Für die letzte Phase des Pleistozäns kann ein hohes Maß an regionaler Variation in der materiellen Kultur ausgemacht werden, die sich in Steinartefakten und organischen Funden niedergeschlagen hat. Einige Forschende haben den technologischen Wandel und die damit einhergehende Migration mit den sich ändernden Klima- und Umweltbedingungen erklärt, wobei davon ausgegangen wurde, dass günstige Bedingungen zu einem größeren Ressourcenreichtum und stärker lokalisierten Siedlungsmustern geführt haben. Die neuen Umstände haben demnach zu Isolation und mangelndem Kontakt zwischen den einzelnen Gruppen und so zu einer größeren Variabilität in der materiellen Kultur geführt. Alternative Hypothesen wurden seltener vorgeschlagen, wobei deren Vertreter die Variabilität in der materiellen Kultur nicht durch umweltliche, sondern durch demographische, kulturelle oder sozioökonomische Prozesse erklärt haben.
Die eingangs genannte Forschungsfrage ist vor allem deswegen schwierig zu beantworten, weil die meisten mittelsteinzeitlichen Fundstellen nicht die notwendigen Voraussetzungen bieten, um die zugrunde liegenden Umwelthypothesen zu testen. Ein erstes Problem besteht darin, dass die meisten Fundstellen älter als 50.000 Jahre sind und damit außerhalb des Bereichs einer relativ genauen 14C-Datierung liegen. Folglich müssen alternative Datierungsmethoden angewandt werden, etwa die „Optisch stimulierte Lumineszenz“ (OSL). Darüber hinaus bieten nur wenige mittelsteinzeitliche Stätten im südlichen Afrika die notwendigen Erhaltungsbedingungen für Objekte, die Informationen über die lokale Paläoumwelt liefern (Knochen, Zähne, Pollen, Pflanzensamen).
Seit rund einem Jahr erforschen Dr. Bader und Dr. Will die bereits in den 1950er Jahren entdeckte Fundstelle „Holly Shelter“, die in der Provinz KwaZulu-Natal liegt, unweit von Petermaritzburg. Eine Testgrabung hat gezeigt, dass der in der Mittelsteinzeit genutzte Felsunterstand ideale Voraussetzungen für hochauflösende Untersuchungen bietet. So konnten organisches Material, einschließlich Knochen, Samen und Pollen, sowie unterschiedliche Steinwerkzeuge und verbrannte Grasmatten identifiziert werden. Dr. Bader und Dr. Will möchten anhand der bekannten und der noch zu bergenden Funde zeigen, inwieweit die Veränderungen in der materiellen Kultur und die Verhaltensanpassungen durch Umweltveränderungen bedingt waren und die spezifischen Umweltbedingungen die verwendeten Technologien erklären können. Auf der Grundlage der zu erwartenden Ergebnisse könnte auch auf das Verhältnis zwischen Klimawandel und menschlichem Verhalten in anderen Regionen geschlossen werden.