Funding Funded Projects Entwicklung eines numismatischen Themenportals mit innovativen Anwendungen zur Analyse und Visualisierung der auf und in Münzen der Būyiden gespeicherten Datenfülle

Entwicklung eines numismatischen Themenportals mit innovativen Anwendungen zur Analyse und Visualisierung der auf und in Münzen der Būyiden gespeicherten Datenfülle

Ziel des Forschungsvorhabens ist die interdisziplinäre Entwicklung neuer digitaler Anwendungen zur historischen Analyse und aussagekräftigen Visualisierung jener einzigartigen Informationsfülle, welche insbesondere in den umfangreichen Inschriften islamischer Münzen gespeichert ist.

Bislang wurde noch nie der Schritt gegangen, diese vielfältigen Daten computergestützt fruchtbar zu machen, anstatt das Material einfach nur in „virtuellen Münzkabinetten“ zu präsentieren. Die Bereitstellung von Analyse-Tools zum Nutzen für Ge­schichtswissenschaft, Numismatik und Archäologie wird zusammen mit einem innovativen Typenkatalog im ersten Online-Themenportal der islamischen Numismatik (auf Deutsch und Englisch; Open-Source) erfolgen.

Ausgewählt für dieses Pilotprojekt wurde die überregional bedeutende Dynastie der Būyiden, welche – unter Beru­fung auf vorislamische, antike Herrschaftstraditionen – im 10. und 11. Jahrhundert weite Teile Irans und des Iraks beherrschte, dabei das Bagdader ˈAbbāsiden-Kalifat kontrollierte und in ihren komplexen Herrschafts­verband noch weitere Dynastien des Vorderen Orients integrierte. Auch hierüber geben die Münzen der Būyiden urkundenartig Auskunft, indem auf ihnen nicht nur Prägeort und Prägejahr stets genau angegeben sind, sondern auch all die Machthaber dargestellt sind, denen dies auf Grund ihrer Stellung in der jeweiligen hierarchischen Ordnung zustand. Zu den Zielen des Projektes gehört es, diese detaillierten Informationen zu Machtverhältnissen, Herrschaftsstrukturen und Beziehungsgeflechten, aber auch weitere numismatische Merkmale, welche etwa Rückschlüsse auf die ökonomische Situation und kultu­relle Entwicklung erlauben, systematisch zu erfassen, zu verknüpfen und so auswertbar zu machen. Hierzu dient in erster Linie eine interaktive Kartographie-Anwendung, ein Web-GIS, das den Benutzern etwa gezielte Abfragen in Form auswählbarer Kombinationen von Orten, Personen und Zeiten ermöglicht. Beispielsweise kann so in Hinblick auf die Entwicklung būyidischer Teilfürstentümer oder rivalisierende Kalifen ermittelt werden, wer wo und wann die Oberherrschaft einer be­stimmten Person anerkannte oder ablehnte, wobei die Abhängigkeiten, Hoheitsgebiete usw. über eine spezielle (Farb- und Form-)Symbolik deutlich werden. Grundsätz­lich sind Tausende unterschiedlicher – auch dynamischer – Kartenbilder und Diagramme denkbar, ebenso zur Analyse der Zusammensetzung būyidischer Schatzfunde oder zur Errechnung von Prägeumfängen, wobei in Hin­blick auf vorgesehene metallurgische Untersuchungen geistes- und naturwissenschaftliche Methoden kombi­niert werden.

Die Umsetzung des Vorhabens erfordert somit eine sehr enge Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Numismatik, historischer Islamkunde und Informatik.

Das Projekt ist mit Blick auf die besondere räumliche Aussagekraft islamischer Münzen u. a. im Rahmen der „Spatial History“, der neuen historischen Räumlichkeitsforschung in den Digital Humanities, verortet. So soll ge­zeigt werden, dass gerade der numismatische Ansatz geeignet ist, um zu einer besseren Vorstellung von einem „Reich“ wie dem der Būyiden zu gelangen. Durch das Forschungsprojekt wird ermöglicht, die Angaben der Chronisten, also literarische Überlieferungen, zu überprüfen, zu ergänzen oder auch zu korrigieren.

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