Funding Funded Projects Digitale kritische Edition der Jesajaerklärung des (Pseudo?-)Basilius (CPG 2911)

Digitale kritische Edition der Jesajaerklärung des (Pseudo?-)Basilius (CPG 2911)

Ziel des Projekts ist es, für die unter dem Namen des Bischofs und Kirchenlehrers Basilius (330–379) überlieferte Jesajaerklärung eine digitale kritische Edition zur Verfügung zu stellen. Erfassung der Handschriften, Kollationen und Aufbereitung des Textes erfolgen dabei digital und werden als open access allgemein zugänglich sein.

Die Autorschaft der unter dem Namen des Basilius überlieferten Jesajaerklärung (genauer der Erklärung von Jesaja 1–16) ist umstritten. Nachdem Erasmus den Stil der Schrift bemängelt und die ältere Forschung ab dem 17. Jahrhundert die Authentizität bestritten hatte, gab es in der modernen Forschung (u. a. Wittig, 1932, Lipatov-Chicherin, 1993) wieder Versuche, das Werk für Basilius zurückzugewinnen. Die Echtheitsfrage der unter dem Namen des Basilius überlieferten Jesajaerklärung ist jedoch nicht abschließend beantwortet.

Ebenso wenig ist die Gattungsfrage in der Forschung geklärt. Für die Jesajaerklärung hatte schon Humbert­claude 1930 das Werk für eine interne, nicht abgeschlos­sene Vorlage für später auszuarbeitende Homilien ge­halten. Ähnliche Überlegungen stellte Fedwick 1997 an. Damit versuchten die beiden Autoren, dem schwer be­stimmbaren Charakter des Werkes Rechnung zu tragen.

Zwar enthält der Text durchaus Abschnitte, wie man sie in einem Kommentar erwarten würde (Sachinformationen etwa zum Autor und seiner historischen Situation, text­kritische Bemerkungen, Ergebnisse von Konkordanzarbeit etc.), aber größtenteils ist der Autor an einem übertra­genen, moralisch-paränetischen Verständnis interessiert. Der Text weicht jedenfalls in seinem Duktus sowohl von der erkennbar benutzten „Jesajaerklärung“ des Eusebius ab, ist aber auch nicht direkt mit der Exegese der „Jesajahomilien“ des Origenes vergleichbar. Einen wis­senschaftlichen Kommentar im Stile des Origenes stellt die Schrift ebenfalls nicht dar, auch wenn sie hier und da Kommentarwissen präsentiert. Insofern ist insbesondere die Frage nach einem möglichen Kontext der umfang­reichen Schrift sowie nach ihrer Pragmatik in grundsätz­licher Weise erneut zu stellen.

Die Erschließung der Schrift durch eine kritische Edition ist wichtig sowohl für die Basiliusforschung, in der sie neben anderen dubia wie „De baptismo“ und den „Hexaemeronshomilien“ 10–11 steht, als auch für die Geschichte der spätantiken Exe­gese, in der die Schrift zwischen Eusebius` Jesajaerklä­rung und den Erklärungen des 5. Jahrhunderts steht und für die Frage nach der Entstehung von alexandrinischer und antiochenischer Exegese bedeutsam ist.

Die Jesajaerklärung ist als Gesamttext bisher nur in der bei Migne (Patrologia Graeca Bd. 30) abgedruckten Edition von Garnier 1721a aus dem 18. Jahrhundert verfügbar.

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