Funding Funded Projects Der zentrale Stadtbereich von Boğazköy-Hattuša: Ausgrabungen auf dem Büyükkale-Nordwesthang

Der zentrale Stadtbereich von Boğazköy-Hattuša: Ausgrabungen auf dem Büyükkale-Nordwesthang

Der Fundort Boğazköy (Türkei) mit den Ruinen der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša liegt in einer ungewöhnlichen, durch Höhenunterschiede und Felskegel stark zerklüfteten Landschaft, deren natürlich separierte Areale zur funktionalen Gliederung der Stadt genutzt wurden. Die verschiedenen Arbeiten des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in der UNESCO Weltkulturerbestätte haben sich auf un¬terschiedliche topographisch definierte Stadtbereiche konzentriert, die als soziale Einheiten beschrieben wurden. Trotz seiner prominenten Lage auf der Schnittstelle zwischen den religiösen, administrativen und ökonomischen Polen der bronzezeitlichen Altstadt ist der Büyükkale-Nordwesthang dabei weitgehend unberücksichtigt geblieben. Nicht nur die Lage, sondern auch die beiden nachgewiesenen natürlichen Terrassen, die die hethitischen Baumeister aus bislang ungeklärten Gründen umgestaltet haben, belegen die strukturelle Bedeutung des Hangs innerhalb der Stadt.

In drei Grabungskampagnen werden der Büyükkale-Nordwesthang eingehend untersucht und sowohl die chronologische als auch die strukturelle Ent­wicklung dieses Stadtbereichs im Verhältnis zu den topographischen Voraussetzungen und zur funktionalen Nutzung dargestellt und analysiert. Mit Hilfe der Kampagnen soll geklärt werden, wie der Hang erschlossen wurde und welche Bauten und Institutionen dort zu finden waren. Ferner möchte Prof. Schachner auf Basis der Funde Rückschlüsse auf die soziale Organi­sation des Areals ziehen.

Die 1907 am Hang entdeckten Stelenbasen, die in die späte Großreichszeit des 13. Jahrhunderts v. Chr. datiert wurden, lassen vermuten, dass der Hang länger genutzt wurde als weite Bereiche der weiter west­lich gelegenen Unterstadt. Vor dem Hintergrund dieser Beobachtung müssen die Chronologie und das strukturelle bzw. funktionale Verhältnis zwischen dem Nordwesthang und den übrigen Stadtteilen überdacht werden, zumal die Forschungsthese im Raum steht, wonach sich die Residenzstadt nicht linear um einen Kern entwickelt hat. Inzwischen wird von einer dynamischen Entwick­lung ausgegangen, bei der prosperierende Bereiche der Stadt gleichzeitig neben brachliegenden Arealen existier­en. An verschiedenen archäologischen und philologi­schen Beispielen konnte die Forschung Netzwerke von selbstorganisierten Akteursgruppen sichtbar machen, die der Vorstellung einer hierarchisch straff organisierten Gesellschaft widersprechen und heute eine deutlich dif­ferenziertere Sicht auf die soziale Organisation dieses ersten Großreichs Zentralanatoliens erlauben. Über den Nachweis der zu erwarten­den Funde sollen weitere Rückschlüsse auf die soziale Struktur der hethitischen Gesellschaft gezogen werden.

Mit Hilfe der Grabungen soll gezeigt werden, wie die Landschaft des Hangs technisch gestaltet wurde, um die Bauten aufnehmen zu können. Sodann möchte Prof. Schachner nachweisen, welche Bauten und Institutionen hier lokalisiert und welche funktionalen bzw. ideologi­schen Kriterien ausschlaggebend waren für die Gestal­tung der Landschaft und die räumliche Gliederung der Gebäude. Wie hat man sich die Topographie zur Expo­nierung bestimmter Gebäude zunutze gemacht und welche Nutzungsunterschiede lassen sich im Laufe der hethitischen Periode nachweisen?

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