Funding Funded Projects Kierkegaards Begriff Angst als „gottesfürchtige Satire‟ oder: die epistemische Unfreiheit im stillen Gespräche mit sich

Kierkegaards Begriff Angst als „gottesfürchtige Satire‟ oder: die epistemische Unfreiheit im stillen Gespräche mit sich

Ziel des Forschungsvorhabens ist eine Neuinterpretation der von dem dänischen Philosophen und Theologen Søren Kierkegaard verfassten Schrift „Der Begriff Angst“.

Søren Kierkegaards 1844 unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis publizierte Schrift „Der Begriff Angst“ gilt als freiheitstheoretischer und anthropologisch zugespitzter Klassiker der Sündenlehre. Allerdings sollte der Text auch aus anderen Gründen gewürdigt werden als aus den in der Forschung bis dato anerkannten. Dies soll in diesem Projekt gezeigt werden.

Zugespitzt verteidigt Dr. Neuber die folgende Forschungsthese: „Der Begriff Angst“ könne als „gottesfürchtige Satire“ (S. Kierkegaards Skrifter 13,24; Wirksamkeit 13) gelesen werden, genauer: als eine ironische Schrift, die in der formulierten systematischen Reflexion auf die Möglichkeit von Sünde zugleich eine Selbstauskunft des Sünders über seine Situation in Szene setze, um damit die vorgelegte theoretische Reflexion zu ironisieren und zu subvertieren. Das heißt: Indem der Text direkt eine theoretische These über die „Fallsproblematik“ präsen­tiert, inszeniert er indirekt – so die Annahme von Dr. Neuber – eine solche, die – im Lichte der in der For­schung in ihren Implikationen unbeachteten Ressourcen von Kapitel 4 – zur Selbstauskunft des „Sünders“ über „Schuld“ und deren zweideutiges Fundament mutiert. Anstatt daher nur mit quasi-mathematischer Präzision „die Winkel der Möglichkeit“ (S. Kierkegaards Skrifter 4,330/Begriff der Angst 21) von Sünde auszumessen, wie Vigilius Haufniensis sein von der Faktizität der Sünde vermeintlich „ungestörtes“ Vorhaben in der Einleitung beschreibt, stellt „Der Begriff Angst“ dabei auch und gerade die unweigerlich auftretenden „Winkelzüge“ der Sünde dar. Überhaupt nur darum kann gegen Vigilius Haufniensis nicht der Vorwurf erhoben werden, nach eigenem Maßstab den Effekt der als je schon faktisch gesetzt präjudizierten Sünde zu unterschätzen, um damit selbst den gegen Hegel artikulierten Einwand auf sich zu ziehen, im Dargestellten den faktischen Darstellenden zu vergessen (u. a. S. Kierkegaards Skrifter 7,1 18).

In einem ersten Teilprojekt wird diese These argumentativ entfaltet und gegen naheliegende Einwände verteidigt. Vertieft erörtert werden dabei erstens die hieraus resultierenden Bestimmungen von „Sünde“ und ihrer „Schuld“-Dimension (u. a. Sünde als einzelne „Tat des freien Willens“, als „Ursünde“, als „fatales Gattungs­geschick“; Schuld, Schuldbekenntnis und Versöhnungs­lehre) sowie zweitens die Implikationen für die Interpre­tation des „Begriff[s] der Angst“ als Gesamtentwurf (u. a. das „ambivalente Verhältnis“ der Angst zur Sünde, Angst als „schöpfungstheologisch-harmatologische Zwischen­bestimmung zweideutigen Charakters“, Angst als „an­deutender Hinweis“ zur Erklärung des Zustandekommens von Sünde); drittens wird das Werk Kierkegaards gegen­über den Angeboten von Schleiermacher, Schelling und Hegel kontextualisiert.

In einem zweiten Teilprojekt werden zwei Aspekte des für Dr. Neuber zentralen vierten Kapitels – nämlich zum einen die „Sophistik“ einer „Angst vor dem Bösen“ und zum anderen die im Rahmen einer „Angst vor dem Guten“ skizzierte „Offenbarungsangst“ – als theoretisches Angebot zu einer Konzeption epistemischer Unfreiheit – aufgegriffen, kontextualisiert und systematisch ausgear­beitet.

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