Investigating the role of the Fragile X Mental Retardation Protein in Parkinson’s disease (PD)
Weltweit leidet etwa ein Prozent der Über-60-Jährigen an der Parkinson-Krankheit, der häufigsten neurodegenerativen Bewegungsstörung.
Bestimmend für die Pathogenese ist vor allem der Verlust der Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra des Mittelhirns. Ohne genügend Botenstoff Dopamin schaffen es die für die Motorik zuständigen Basalganglien immer weniger, aktivierend auf die Großhirnrinde einzuwirken; das führt letztlich zu Bewegungsstörungen in Form etwa einer ausgeprägten Bewegungsarmut oder Muskelstarre. Bei den monogenen Formen der Parkinson-Krankheit sind besonders Punktmutationen des alpha-Synuclein-Gens interessant. -Synuclein ist ein kleines, lösliches Protein im Gehirn, das Membrankanäle bildet und neueren Arbeiten zufolge die Erregbarkeit der Neuronen im Rahmen der Degeneration der Neuronen bei der Erkrankung verändert. Bei Parkinson-Patienten verklumpt dieses -Synuclein zu unlöslichen Fibrillen, die dann zu charakteristischen „Lewy-Körperchen“ aggregieren.
Dr. Köglsperger untersucht das Fragile-X-Mental-Retardation-Protein (FMRP) bei Krankheiten, bei denen -Synuclein eine Rolle spielt. Man weiß, dass FMRP eine Reihe neuronaler Gene reguliert, die die Erregbarkeit der Neuronen und die funktionellen Eigenschaften der Synapsen beeinflussen. In den dopaminergen Neuronen der Substantia nigra von Parkinson-Patienten ist den Arbeiten Dr. Köglspergers zufolge der Konzentrationsspiegel an FMRP sehr niedrig. Seine Untersuchungen zeigen zudem, dass die FMRP-Konzentration in Kulturen von dopaminergen Neuronen des Menschen sowie im Gehirn von Mäusen bei einer erhöhten -Synuclein-Synthese sinkt. Weil das FMR-Protein bei der Parkinson-Krankheit offenbar verloren geht, es aber bekanntermaßen die Erregbarkeit von Neuronen bei einer Krankheit mit beeinflusst, bei der die Erregbarkeit dopaminerger Neuronen schwindet, hält Dr. Köglsperger es für sehr wahrscheinlich, dass es von den vom FMR-Protein gesteuerten Ionenkanälen mit abhängt, wie erregbar diese Neuronen sind, und dass dieses FMR-Protein bei der Degeneration der Neuronen in der Substantia nigra mit eine Rolle spielt.
Um seine Thesen verifizieren zu können, charakterisiert er die Bedeutung des FMR-Proteins für die Neuronen in der Substantia nigra unter physiologischen Bedingungen, aber auch die Folgen des Verlusts von FMRP bei der Degeration der Neuronen. Dazu wird der Einfluss des FMR-Proteins auf die für die Erregbarkeit wichtigen Kalziumsignale dopaminerger Neuronen ausgelotet und überprüft, welche funktionellen Folgen ein Verlust von FMRP für die Ionenkanäle der Nerven sowie die Plastizität dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra hat. Welchen Einfluss FMRP auf die Erregbarkeit der Neuronen hat, wird an Mäusen untersucht, bei denen das FMRP-Gen inaktiviert wurde. An Proben von Parkinson-Patienten wird zudem geklärt, ob sich FMRP als Biomarker eignet, der Rückschlüsse auf Gesundheit, Krankheit oder den Erfolg einer medikamentösen Behandlung erlaubt.