Versions of Early Christian Past: The Reception of the Apostolic Fathers in Coptic and Syriac Manuscript Cultures
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Rezeption der Texte der Apostolischen Väter in koptischen und syrischen Handschriften vergleichend zu untersuchen.
Als Apostolische Väter werden Schriftsteller der christlichen Kirche des 1. und 2. Jahrhunderts bezeichnet. Die Texte dieser Autoren können als Fortsetzung der Schriften der Apostel betrachtet werden und gelten als wichtige Quelle für die Anfänge der Kirchengeschichte. Zu den Apostolischen Vätern zählen u. a. der Verfasser des Barnabasbriefes, Clemens als Autor des 1. Clemensbriefes, Ignatius von Antiochien und Polykarp von Smyrna, die mehrere Briefe hinterlassen haben, Papias von Hierapolis, der Verfasser des „Hirten des Hermas“ sowie der unbekannte Autor der „Didache“ („Zwölfapostellehre“), des ältesten christlichen Lehrbuches.
Die Texte der Apostolischen Väter sind in Griechisch geschrieben, später wurden sie auch ins Lateinische und andere Sprachen, u. a. ins Syrische und Koptische, übersetzt. Die koptischen und syrischen Handschriften enthalten unterschiedlich lange Versionen der Vätertexte, einzelne sind fast vollständig, andere lückenhaft oder fragmentarisch überliefert.
Im Rahmen des Forschungsprojektes kommen neuere Ansätze und Methoden der „Materiellen Philologie“ zur Anwendung. Dabei werden die syrischen und koptischen Handschriften kodikologisch und paläographisch untersucht; wichtig ist auch, die Paratexte (Überschriften, Randbemerkungen, Korrekturen etc.) der überlieferten Texte einzubeziehen, die Handschriften typologisch zu bestimmen und in die jeweilige Manuskriptkultur einzuordnen sowie die Übersetzungstechniken in den Blick zu nehmen. Durch eine umfassende Analyse der Handschriften wird die Bedeutung der Väterüberlieferung für die Syrische und Koptische Kirche herausgearbeitet.
Während der griechische Text der Apostolischen Väter in modernen kritischen kommentierten Gesamtausgaben vorliegt, ist die Überlieferung der Vätertexte in anderen Sprachen – trotz vieler neu entdeckter Manuskripte – bisher nur unzureichend aufgearbeitet. Das Forschungsprojekt zur syrischen und koptischen Überlieferung soll diese Forschungslücke schließen und gleichzeitig Ausgangspunkt für eine Untersuchung aller vorliegenden (nicht-griechischen) Versionen der Schriften der Kirchenväter sein.