Territorial Inequality in Education
Während die Grenzen zwischen Staaten zunehmend an Bedeutung verlieren, werden die Grenzen innerhalb von Staaten zunehmend wichtiger.
Dies gilt insbesondere für Staaten mit einer dezentral organisierten Bildungspolitik, denn hier unterscheidet sich der Zugang zum Bildungsangebot wie auch die Qualität von Bildungspolitiken meist erheblich. Allerdings ist in der Forschungsliteratur umstritten, ob und in welchem Maße sich die politische Dezentralisierung in der Bildungspolitik auf territoriale Ungleichheiten auswirkt. In Ländern wie Spanien oder dem Vereinigten Königreich haben Dezentralisierungsbemühungen jüngst sogar Sezessionsbestrebungen befördert. In bereits dezentral organisierten Ländern wie Deutschland ist in letzter Zeit hingegen ein Trend zur Harmonisierung von Bildungspolitiken durch verstärkte Koordinierung zu beobachten gewesen.
Hier setzt das Projektteam an und untersucht das Verhältnis von politischer Dezentralisierung und territorialer Ungleichheit (territoriale Bildungsungleichheit). Argumentiert wird, dass ein hoher Grad an Dezentralisierung zu einer verstärkten Variation in der Bildungspolitik führt, die dann ursächlich für zunehmende territoriale Ungleichheiten sei. Diese Ungleichheiten werden über den Bildungsstand (level of education) und Bildungserfolge (academic outcomes) gemessen und in acht OSZE-Ländern (Australien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Italien, Schweden, Schweiz und Spanien) von 2004 bis 2024 untersucht. Diese Länder aus dem Globalen Norden sind einerseits aufgrund ihres Entwicklungsstandes sowie der Verfügbarkeit von Daten gut vergleichbar und unterscheiden sich andererseits in ihrer Größe und ihren Formen der Dezentralisierung von Bildungspolitiken.
Aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven, beispielsweise der Föderalismusforschung oder der vergleichenden Staatslehre, werden Hypothesen hergeleitet und parallel getestet. So wird geprüft, ob Dezentralisierung zu Variationen in der Bildungspolitik führt oder nicht. Außerdem wird geprüft, ob diese Variation der Hauptgrund für territoriale Ungleichheiten ist oder ob es andere Faktoren gibt.
Das Projekt wird in drei Arbeitsschritten durchgeführt: Erstens wird ein Dezentralisierungsindex in der Bildungspolitik für die genannten Länder erarbeitet. Hierfür wird unter anderem auf den „OECD Spending Autonomy Indicator“ zurückgegriffen. Dieser wird um Daten ergänzt, die aus der Recherche von Primär- und Sekundärliteratur, Interviews mit Entscheidungsträgern in der Politik und der Analyse von Gesetzen und Regularien gewonnen werden.
Zweitens wird ein Index für die Politikvariation in der Bildungspolitik erstellt, wie es ihn bislang noch nicht gibt. Hier werden insbesondere durch die Konsultation nationaler Statistikbehörden neue Daten gewonnen.
Drittens werden beide Indizes miteinander in Verbindung gebracht und analysiert.