Funding Funded Projects Legacies of democratic transition. Explaining the success of the populist radical right in eastern Germany

Legacies of democratic transition. Explaining the success of the populist radical right in eastern Germany

Prof. Leininger beschäftigt sich im Rahmen dieses Vorhabens mit dem Vermächtnis des demokratischen und wirtschaftlichen Transformationsprozesses auf das Wahlverhalten in Ostdeutschland.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass rechte Parteien hier besonders große Wahlerfolge verzeichnen. In der Literatur wird dies häufig mit dem sozio-ökonomischen Status der Bevölkerung erklärt. Dagegen spricht, dass beispielsweise die Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen, dem wirtschaftlich stärksten ostdeutschen Bundesland, die höchsten Wahlerfolge feiert. Stellenweise wird auch angeführt, dass die sozialistische Prägung in Ostdeutschland für das Wahlverhalten entscheidend sei. Aber auch hier lässt sich einwenden, dass die AfD in denjenigen Alterskohorten den stärksten Zulauf erfährt, welche die DDR gar nicht mehr aus eigener Erfahrung erlebt haben.

Vor diesem Hintergrund hat Prof. Leininger die These aufgestellt, dass die Erfahrungen des wirtschaftlichen Transformationsprozesses nach 1990 das heutige Wahlverhalten maßgeblich beeinflussen. Folglich formuliert er die Forschungsfrage anders: Welche Rolle spielen Erfahrungen der politischen und wirtschaftlichen Transformation in den 1990er-Jahren für das Wahlverhalten heute? Diese Frage wird in einem quantitativen Forschungsdesign auf individueller und auf aggregierter Ebene untersucht.

Hierzu wird primär auf bereits existierende Datensätze zurückgegriffen. Daten zu Wahlergebnissen sind in Deutschland öffentlich zugänglich und können bis auf Ebene der Kommunen für die Untersuchung genutzt werden. Außerdem werden Daten der „German Longitu­dinal Election Study“ (GLES) genutzt, bei der seit 2009 nach Bundestagswahlen in quer- und längsschnittlichen Umfragen politische Einstellungen erhoben werden. Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) liefern zusätzlich repräsentative Hinweise auf ökonomische, demographische oder psychologische Fragestellungen. Seit 1990 werden SOEP-Befragungen auch in Ost­deutschland durchgeführt.

Der Transformationsprozess wird nun auf vier Ebenen analysiert: Erstens wird untersucht, ob die Erfahrung von Jobverlusten – auch im Freundes- oder Familienkreis – das Wahlverhalten beeinflusst. Hier kann verglichen werden, ob diejenigen Alterskohorten, die bei den SOEP-Befragungen in den 1990er-Jahren Erfahrungen mit Jobverlusten angegeben haben, heute besonders häufig für rechts­populistische Parteien stimmen. Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland wird für diesen Teil der Analyse ebenfalls durchgeführt.

Zweitens wird untersucht, inwiefern Erfahrungen mit der Arbeit der Treuhand das heutige Wahlverhalten beeinflussen. Als Indikator gilt, ob es in bestimmten Orten nennenswerte Proteste oder Demonstrationen gegen die Treuhand gegeben hat (wie in der Kalimine in Bischofferode). Diese Daten werden eigens erhoben und werden dann mit den Daten aus der GLES und den Wahlergebnissen auf Ebene der Kommunen in Verbindung gebracht.

Drittens wird untersucht, ob der Bevölkerungsschwund nach 1990 das Wahlverhalten erklärt. Die Annahme ist, dass insbesondere gut ausgebildete Menschen, die nicht zur Wahl radikaler Parteien neigten, Ostdeutschland verlassen haben.

Viertens wird der Rückzug des Staates, insbesondere die Zusammenlegung von kommunalen Gebietskörperschaften, wie sie gerade in Ostdeutschland nach 1990 häufig praktiziert wurde, als Grund für das Wahlverhalten angenommen. Je größer und weitläufiger die Kreise (und somit kommunale Angebote), desto größer die Distanz zwischen Bürgern und Staat. Hierzu wird noch einmal ein eigener Datensatz ergänzt, mit dem das Ausmaß von Zusammenlegungen und Fusionen bestimmt werden kann. Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland ist ebenfalls geplant.

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